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Niedersachsen „Wollen Erdverkabelung wie Gabriel“
Nachrichten Politik Niedersachsen „Wollen Erdverkabelung wie Gabriel“
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19:53 03.02.2015
„Er wird sicher abstreiten, dass das mit ihm zu tun hat“: Tjark Bartels wundert sich über einen Entwurf aus Gabriels Ministerium. Quelle: Alexander Körner
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Hameln

Herr Landrat Bartels, Sie verspotten den SPD-Bundesvorsitzenden, Ihren Parteifreund Sigmar Gabriel als „Nimby“. Als einen Politiker, der bei der Frage der großen Stromtrassen nach der Devise handelt: Bloß keinen Ärger in meinem Hinterhof („not in my backyard“). Hat sich der große Parteichef schon bei Ihnen gemeldet?

Nein, mit meinem Parteibuch hat die ganze Sache überhaupt nichts zu tun. Mit dem ironischen Anwurf „Nimby“ haben wir Vertreter von 20 Landkreisen auch nicht den SPD-Chef gemeint, sondern den Bundeswirtschaftsminister. Der setzt in seinem Wahlkreis durch, was wir alle wollen: nämlich wesentlich mehr Erdverkabelung statt der ungeliebten großen Strommasten. Da gibt es einen entsprechenden Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums für eine Stromstrecke, die auch durch Gabriels Wahlkreis führt. Gabriel wird sicherlich abstreiten, dass das mit ihm direkt zu tun hat. Aber dass Gabriel für mehr Erdverkabelung streitet, ist verständlich. Die wollen auch wir.

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Haben Sie denn Reaktionen für Ihren zumindest ungewöhnlichen Einwurf bekommen?

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium noch nicht, aber ein Gesprächstermin ist bereits vereinbart. Aber viele Medien, wie Sie ja auch, haben das aufgenommen und Verständnis für unser Anliegen signalisiert. Der „Nimby“ war natürlich ironisch gemeint. Uns ging es um die Sache. Wir sind ja schon seit vielen Monaten unterwegs in Sachen Energiewende und Trassenplanung. Da kann es nicht sein, dass der Minister im eigenen Vorgarten Ruhe schafft, sich also als klassischer „Nimby“ präsentiert, während an anderen Stellen die Trassen unsere Landschaften zerschneiden.

Aber muss man in einem Industrieland, das auf eine gute Stromversorgung angewiesen ist, nicht auch ein paar Hochspannungsmasten hinnehmen?

Uns ist auch klar, dass wir in einem hochverdichteten Industrieland leben. Und dort braucht man natürlich vernünftige Infrastrukturen. Und von solchen Infrastrukturen wird man immer etwas sehen und hören, das ist der Preis für den wirtschaftlichen Erfolg. Aber gleichwohl muss das Verfahren für die Planung solcher Trassen in Ordnung sein. Man muss darauf achten, dass man die Belastungen möglichst klein hält und darf dies nicht an der Kostenfrage scheitern lassen. Da müssen höhere Kosten für eine großzügigere Erdverkabelung schon über den Netzpreis auf alle umgelegt werden.

Aber müssen Sie bei einer breit angelegten Erdverkabelung nicht damit rechnen, dass in Deutschland breite, hässliche Trassen entstehen wie etwa früher an der innerdeutschen Grenze?

Sie werden nicht so breit sein wie es die Firma Tennet immer darstellt. Dass auch Erdverkabelung nicht nur schön ist, wissen wir auch. Aber es gibt intelligente Möglichkeiten. Wir werden am 24. Februar in Kassel auf einer Konferenz, die die Landkreise ausrichten, sehen, was heute technisch machbar ist. Schöner wäre es ganz ohne Trasse. Aber wenn man schon eine Trasse will, muss man den Weg wählen, der am wenigsten Belastung bringt. Noch mal: Der Gabriel macht es für sein Heimateckchen vor, was möglich ist.

Wie hoch sollte der Anteil der Erdverkabelung sein? Lässt sich das beziffern?

Im ersten Referentenentwurf ist schon mehr Raum für die Erdverkabelung eingeplant. Wir fordern einen Paradigmenwechsel. Die Erdverkabelung muss zur Regel werden und nicht Ausnahme bleiben. Mit dieser neuen Prämisse müsste die Frage der Trassenführung neu beantwortet werden. Die Frage der Belastung, auch möglicher gesundheitlicher Gefährdung, spielt derzeit keine Rolle.

Interview: Michael B. Berger

Heiko Randermann 03.02.2015
Michael B. Berger 02.02.2015