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Niedersachsen Hinweise auf hochradioaktiven Müll in der Asse
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17:04 23.07.2009
Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, sagte dem Magazin, seine Behörde werde den Vorgang prüfen. (Symbolbild)
Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, sagte dem Magazin, seine Behörde werde den Vorgang prüfen. (Symbolbild) Quelle: Philipp Guelland/ddp
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Der Verdacht ihrer Partei, dass vor vielen Jahren in der Asse tatsächlich hoch radioaktiver Atommüll billig entsorgt worden sei, werde durch die Informationen des ARD-Magazins „Monitor“ erhärtet, sagte die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Petra Emmerich-Kopatsch, am Donnerstag in Hannover. Auch die Grünen befürchteten schon länger, dass in der Asse auch stark strahlende Abfälle gelagert wurden.

„Monitor“ zitiert in seinem Bericht aus einem Schreiben der Siemens AG aus dem Jahr 1966. Daraus ergebe sich, dass das damalige Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung dem Unternehmen zugesichert hatte, „einen Teil“ von „ca. 25 Fässern mit hoch radioaktivem Abfall (Kernbrennstoff)“ in der Asse einlagern zu dürfen. „Wir danken Ihnen für diese Möglichkeit zur Entlastung unserer Lagerkapazität und erwarten bei gelegentlichen Anfragen einen Ihnen günstigen Termin für die Anlieferung in Asse II“, heiße es in dem Schreiben weiter. In einem Vermerk des Bundesforschungsministeriums aus dem Jahr 1967 sei zudem von „bestrahlten Brennelementen“ die Rede.

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, sagte dem Magazin, seine Behörde werde den Vorgang prüfen. „Wir haben aufgrund unserer derzeitigen Kenntnisse, aufgrund der Abfall-Inventarlisten, keine Hinweise, dass es zu einer Einlagerung von hoch radioaktiven Abfällen wirklich gekommen ist“, erklärte König.

Emmerich-Kopatsch sagte, die mögliche Einlagerung von 25 Fässern mit bestrahltem Kernbrennstoff könne die in der Asse stark erhöhten Tritium-Werte erklären. In der Abluft des Bergwerks seien kürzlich um das 16-fache erhöhte Tritium-Werte festgestellt worden. Dies sei ein Indiz dafür, „dass in der Asse immer noch Zerfallsprozesse stattfinden, die nicht von schwach- oder mittelradioaktivem Müll stammen können“.

Nach Informationen der Landtags-Grünen ist zudem 1976 wenigstens ein Fass Atommüll angeliefert worden, das 127 Gramm und damit fast dreimal so viel Uran-235 enthielt, wie die Betriebsvorschriften für das Atomlager erlaubten. In einem weiteren Fall sei ein Lieferschein mit der Bemerkung „Brennstäbe in Blechdosen“ versehen gewesen, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel.

Das niedersächsische Umweltministerium und der frühere Betreiber Helmholtz Zentrum München haben bislang bestritten, dass auch hoch radioaktive Abfälle in die Asse gebracht wurden. Das Forschungszentrum Jülich bestätigte, dass in den 1970er Jahren Fässer mit bestrahlten Brennelementen aus dem Jülicher Hochtemperaturreaktor in die Asse kamen. Diese seien aber nicht in die Kategorie „hoch radioaktive Abfälle“ einzuordnen.

Nach offiziellen Angaben lagern in dem Bergwerk rund 126 000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Müll. In den vergangenen Monaten war bekannt geworden, dass auch Chemieabfälle und Tierkadaver in der Asse verklappt wurden. Das Bergwerk droht einzustürzen und voll Wasser zu laufen. Mehrfach trat radioaktive Lauge aus. Das BfS prüft Optionen für eine sichere Schließung. Die Stilllegung der Asse kostet nach Schätzungen bis zu vier Milliarden Euro.

ddp

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