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Niedersachsen Hochschulen öffnen sich weiter für Menschen ohne Abi
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17:37 08.06.2010
„Die Hochschulen werden attraktiver und zukunftsfähiger“: Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) Quelle: dpa
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Gegen den Widerstand der Opposition beschloss die CDU/FDP-Mehrheit im Landtag am Dienstag die entsprechende Änderung des Hochschulgesetzes. „Die Hochschulen werden attraktiver und zukunftsfähiger“, sagte Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU). Die Opposition begrüßte zwar die Öffnung der Hochschulen, beklagte aber einen Verlust an Mitbestimmung.

Auch Elektriker, Arzthelferinnen oder Buchhalter beispielsweise können künftig ohne Abitur und gesonderte Aufnahmeprüfung studieren. Wer eine Berufsausbildung hat und danach drei Jahre Berufspraxis, kann eine Universität besuchen. Bislang war dies bereits Meistern, Technikern und Betriebswirten möglich. Vor allem bildungsferne Schichten, die sich nicht gleich im ersten Anlauf für Abitur und Studium entschieden hätten, profitierten von der Neuregelung, meinte Wanka. Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag die Öffnung der Hochschulen. Die Auslegung, was fachgebunden sei, dürfe nicht zu eng gefasst werden.

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Heftige Kritik gab es an der Möglichkeit der Hochschulen, ausgewiesene Experten künftig ohne öffentliche Ausschreibung zum Professor zu ernennen. „Der Ämterpatronage wird Tür und Tor geöffnet“, meinte die SPD-Abgeordnete Gabriele Andretta. Das Leitbild bei der Neuordnung des Gesetzes sei die unternehmerische Managementhochschule, Mitbestimmung sei dabei Nebensache. „Warum stören Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter Berufungsverfahren“, fragte sich die Grünen-Abgeordnete Gabriele Heinen-Kljajc. Hochschulautonomie bedeute die Beteiligung von Gremien und nicht das Einführen einer Kommandostruktur.

Wenn Universitäten überschüssige Studiengebühren in Stiftungen ansparen könnten, sei dies auch ein Anreiz für potenzielle Spender, die Summe aufzustocken, argumentierte Wanka. Der Linken-Abgeordnete Victor Perli meinte indes, das Parken eingestrichener Gebühren in Stiftungen sei unzulässig. Wenn das Geld nicht benötigt werde, müsse es den Studenten zurückgezahlt werden.

dpa