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Niedersachsen Holger G. belastet NPD-Funktionär
Nachrichten Politik Niedersachsen Holger G. belastet NPD-Funktionär
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21:15 08.01.2012
Holger G. soll den langjährigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben schwer belastet haben. Quelle: dpa
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Berlin

Unter anderem habe Holger G. gestanden, im Jahr 2001 oder 2002 eine von Wohlleben besorgte Pistole an das untergetauchte Neonazi-Trio übergeben zu haben.

Der Zwickauer Zelle werden insgesamt zehn Morde an Einwanderern und einer Polizistin zwischen 2000 und 2007 zur Last gelegt. G. soll dem Bericht zufolge gestanden haben, die Neonazis im Untergrund noch im Mai 2011 beim Besorgen eines Reisepasses unterstützt zu haben. Zuvor habe er die Zelle mit einem Führerschein, Krankenkassenkarten und einer ADAC-Karte versorgt.

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Bereits kurz nach dem Abtauchen der drei Neonazis 1998 hat NPD-Mann Wohlleben G. demnach um Geld für die Flüchtigen gebeten, G. habe 3000 D-Mark gespendet. 2000 oder 2001 habe Wohlleben ihn gebeten, einen ersten Reisepass für das Mitglied der Zelle, Uwe Böhnhardt, erstellen zu lassen. Den Kontakt zu den Flüchtigen stellte demnach NPD-Funktionär Wohlleben her, der ihm eine geheime Telefonnummer gegeben habe. Eine Zusammenarbeit Wohllebens und anderer NPD-Funktionäre mit der Zwickauer Zelle könnte eine bedeutende Rolle in einem möglichen neuen NPD-Verbotsverfahren spielen.

G. sagte den Ermittlern, er habe auch eine Reisetasche mit einem Stoffbeutel transportiert, den ihm Wohlleben gegeben habe. Darin habe er eine Pistole ertastet. Auf seine Fragen habe Wohlleben geantwortet, es sei besser, wenn er, G., nicht wisse, was die drei damit vorhätten. Die mittlerweile inhaftierte Beate Zschäpe habe ihn am Zwickauer Bahnhof abgeholt und zu den beiden inzwischen toten mutmaßlichen späteren Serienmördern Böhnhardt und Uwe Mundlos gebracht. Einer von beiden habe die Pistole ausgepackt und durchgeladen.

Danach habe er sich geweigert, Kurierdienste für das Trio zu übernehmen, sagte G. den Ermittlern. Bis auf ein paar Unterbrechungen habe er allerdings weiterhin ein- bis zweimal pro Jahr mit den Terroristen telefoniert. Im Jahr 2005 hätten die drei unvermittelt vor der Tür von G.s Wohnung in Hannover gestanden. Etwas später habe ihn das Trio gebeten, einen Führerschein zu besorgen.

Mit den Versäumnissen der Sicherheitsbehörden bei der Fahndung nach der Zwickauer Neonazi-Zelle wird sich voraussichtlich ein Untersuchungsausschuss des Bundestages befassen. Die SPD unterstütze einen entsprechenden Antrag der Grünen, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Auch die Linkspartei hatte schon Zustimmung für einen Ausschuss signalisiert.

Fahnder in Nordrhein-Westfalen prüfen unterdessen eine neue Verbindung der Zwickauer Neonazi-Zelle zu einem weiteren Mordanschlag. Bei dem Sprengfallen-Attentat wurde 2003 ein türkischstämmiger Gastwirt schwer verletzt. Das Opfer war in Duisburg über einen Draht gefahren, was einen in der Nähe aufgebauten Schussapparat ausgelöst hatte. Laut „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“ („WAZ“) wurde ein ähnlicher Apparat in der Wohnung des Trios in Zwickau gefunden.

Thomas Krumenacker

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