Hosenstall zu klein? Bayerns Polizei klagt über Uniformen aus Niedersachsen
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Hosenstall zu klein? Bayerns Polizei klagt über Uniformen aus Niedersachsen

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10:00 08.01.2020
Ein Polizist der bayerischen Polizei bei einem Prozess in Regensburg. Erneut gibt es Klagen über die aus Niedersachsen gelieferten Uniformen. Quelle: Armin Weigel/dpa
Hannover

Liefert Niedersachsen mangelhafte Polizeiuniformen nach Bayern? Diese Kritik kommt zumindest immer wieder von den Polizeigewerkschaften im Freistaat. Die Beamten in Bayern klagen laut Medienberichten über schlecht sitzende Diensthemden, kratzende Stoffe und reißende Nähte. Sogar beim Urinieren soll es für die Männer Probleme geben, weil die Reißverschlüsse der Hosen zu kurz seien. Das niedersächsische Innenministerium weist die Vorwürfe zurück.

Auch den Polizeigewerkschaften im Norden sind kaum Beschwerden über die vom Logistikzentrum Niedersachsen (LZN) in Hannoversch Münden gelieferte Kleidung bekannt. Das LZN beschafft zu 100 Prozent die von Bayern bestellte Bekleidung. Die Fertigung selbst findet in zehn Ländern in Europa, Asien und Afrika statt. Eine Uniform kostet rund 1000 Euro.

Nähte reißen, Farbe schwindet

Bayerns Polizei trägt seit August 2018 blau statt grün. Rund 1,2 Millionen Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände wurden an die etwa 27.500 bayerischen Uniformträger ausgegeben. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobte damals Funktionalität, Passform und Tragekomfort. Doch es dauerte nicht lange bis zur ersten Kritik. „Die ausgelieferte Qualität entspricht nicht der Uniform, welche im Trageversuch erprobt wurde“, erklärte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Nachtigall, im Herbst 2018. Die Nähte von Hosen und Hemden würden ohne große Beanspruchung reißen, die Farbe der Uniformteile beim Waschen schwinden. Kritik kam auch von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern.

Mehr als ein Jahr später hat sich die Aufregung um die Uniformen nicht gelegt. Die bayerischen Polizeigewerkschaften sprechen laut „Nürnberger Zeitung“ inzwischen von Beschwerdefällen im deutlich vierstelligen Bereich, das bayerische Innenministerium will dagegen nur von 400 Beschwerden wissen. Zudem gibt es bei der Polizei in Bayern offenbar Unmut über die Geschäftsbedingungen des LZN und den Umgang mit Reklamationen.

Ministerium: Reklamationsquote gering

Das Innenministerium in Niedersachsen kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Die Qualitätsstandards zur Prüfung der bayerischen Ware wurden gemeinsam und einvernehmlich mit dem Kooperationspartner Bayern abgestimmt“, sagte Ministeriumssprecherin Simone Schelk der HAZ. Dass es Mängel im Bereich der Qualitätskontrolle des LZN geben solle, sei nicht bekannt. Das zeige die verschwindend geringe Reklamationsquote seit Beginn der Auslieferung. Laut Ministerium beläuft sich die Quote auf rund 0,3 Prozent. So seien beispielsweise im Jahr 2018 von 243.000 Artikeln (Einkleidung plus Nachbestellungen) lediglich 699 Artikel reklamiert worden.

Schelk betonte, dass es keine Nachteile für Beamte bei der Abwicklung der Reklamationen gebe, sondern sogar deutliche Vorteile gegenüber einem Privatkauf im Alltag. Jeglicher Artikel könne, sofern nicht unsachgemäß behandelt, kostenfrei innerhalb von zwei Jahren umgetauscht werden.

GdP: Keine großen Probleme in Niedersachsen

Die GdP in Niedersachsen will nicht klagen. „Uns werden keine großen Probleme gemeldet“, sagte Landeschef Dietmar Schilff der HAZ. Verwaschene Uniformen gebe es auch in Niedersachsen. Doch die Qualität habe sich in den letzen Jahren verbessert, betonte Schilff. Der Gewerkschaftschef hat ein anderes Problem ausgemacht: Das Budget der Polizei reicht häufig nicht, um alle notwendigen Kleidungsstücke zu beschaffen.

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Von Marco Seng

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