Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen „Tatort“-Kommissarin weiß im Fall Wulff nicht weiter
Nachrichten Politik Niedersachsen „Tatort“-Kommissarin weiß im Fall Wulff nicht weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 08.12.2013
Von Michael B. Berger
Verleger Hubert Burda und seine Ehefrau Schauspielerin Maria Furtwängler sagten am Donnerstag in Hannover im Wulff-Prozess aus. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Zum Schluss ihrer Vernehmung hat die Schauspielerin Maria Furtwängler noch eine Frage: „Was könnte meine Aussage im besten Fall zur Klärung beitragen?“ Es ist die Mutter aller Fragen, die sich am fünften Tag des 
Prozesses gegen Bundespräsident a. D. Christian Wulff auftut: Was soll das Ganze? Richter Frank Rosenow hält sich bedeckt. „Das werden Sie bei der Urteilsverkündung erfahren.“

Maria Furtwängler, die im Zuge ihrer Vernehmung zunehmend ins bayerische Idiom fällt, ist neben ihrem Ehemann Hubert Burda die prominenteste Zeugin, die bislang im Strafverfahren gegen Wulff aufgetreten ist. Auch am fünften Verhandlungstag geht es um einen Oktoberfestbesuch Wulffs Ende September 2008, bei dem der Filmfinanzier David Groenewold einen Teil der Hotel- und Logiskosten übernahm. Deshalb sitzen nun beide auf der Anklagebank. Wulff wegen angeblicher Vorteilsannahme – es geht konkret um 750 Euro – Groenewold wegen Vorteilsgabe. Und das Gericht lotet mit Zeugenaussagen noch immer das Beziehungsgeflecht zwischen den beiden aus. Deshalb auch die Vorladung der prominenten Schauspielerin, denn Maria Furtwängler-Burda saß mit ihrem Ehemann im Käfer-Zelt auf der Münchener Wiesn.

Anzeige
Schauspielerin Maria Furtwängler und ihr Ehemann haben als erste Promi-Zeugen im Prozess gegen Ex-Bundespräsident Wulff ausgesagt.

Die „Tatort“-Kommissarin berichtet, dass sie das Ehepaar Wulff auf einem privaten Treffen in Hannover das erste Mal gesehen habe, in Wulffs Wohnung. Damals sei ein weiteres Treffen auf dem Oktoberfest verabredet gewesen. Wulff hatte geltend gemacht, dass er „dienstlich“ mit der „Tatort“-Kommissarin sprechen wollte. „Haben Sie sich mit Wulff unterhalten?“ will Richter Rosenow wissen. „Ja, ganz bestimmt“, entgegnet Furtwängler. Worüber? „Keine Ahnung“, sagt die Schauspielerin, die die obligatorische Frage nach ihrem Alter nur zögernd beantwortet: „47“.
Das scheint der einzige Erkenntnisgewinn aus dieser Vernehmung, zu der auch die Staatsanwälte keine Frage haben. Auch zu Hubert Burdas ausführlichen Einlassungen haben die Staatsanwälte keine Fragen. Burda hat seine Erinnerungen an die Wulff-Begegnung vor fünf Jahren auf diversen Zetteln festgehalten. „Gedächtnisstützen“, sagt Medienanwalt Christian Schertz, der an der Seite Burdas sitzt.

Der 73-jährige Verleger sagt, er habe großes Interesse an einem Treffen mit Wulff gehabt, weil damals um den Rundfunkstaatsvertrag gestritten wurde und er als Präsident des Bundes Deutscher Zeitschriftenverleger gegen die „elektronische Zeitung“ der Fernsehanstalten gekämpft habe. Ursprünglich sei sogar noch ein Treffen im Bayerischen Hof verabredet gewesen, um 18 Uhr. Doch das habe Wulff kurzfristig abgesagt. So habe er ihn also auf dem Oktoberfest getroffen, allerdings nur kurz mit ihm über Medienpolitik gesprochen. „Vier, fünf Sätze, bis ich merkte, dass wir einer Meinung waren.“ Dann sei es lauter geworden, auf dem Oktoberfest könne man nicht viel reden. Ob es üblich sei, medienpolitische Gespräche auf dem Oktoberfest zu führen, will der Richter wissen. Doch, doch, das sei ganz normal. „Ein Weltmeister darin war der Franz Josef Strauß.“ Selbstverständlich könne man auch bei einer Maß politische Gespräche führen – „die Technik beim Oktoberfest ist natürlich, dass Sie sich beim Trinken zurückhalten“, erläutert Burda.

Zu den entscheidenden Fragen des nach Ansicht der Staatsanwaltschaft korrupten Verhältnisses zwischen Wulff und Groenewold kann der Verleger überhaupt nichts beisteuern, obwohl er noch genau weiß, was er an dem von Groenewold gesponserten Festzelttisch bestellt hat: „Schweinswürstel mit Kraut, das ist frisch, das bestelle ich immer.“

Wie bestellt für die Verteidigung wirken die Antworten des Zeugen Burda, an denen Ethnologen ihre Freude haben könnten. „Norddeutsch“ sei das Geschehen im Festzelt gewesen. Was das bedeute, will der Richter wissen: „Kühl, man hat sich untereinander nicht vorgestellt.“
Am 19. Dezember will Richter Rosenow eine Zwischenbilanz ziehen. Ob Wulff einem Freispruch näher rückt?

Mehr zum Thema
Niedersachsen Prozess gegen Ex-Sprecher Glaeseker - Kabinett erlaubt Vernehmung von Christian Wulff

Das niedersächsische Landeskabinett hat den früheren Ministerpräsidenten Christian Wulff von der Schweigepflicht entbunden. Darum hatte das Landgericht Hannover die amtierende Landesregierung gebeten. Wulff soll als Zeuge gegen seinen früheren Sprecher Olaf Glaeseker aussagen.

Michael B. Berger 03.12.2013
Deutschland / Welt Wulff-Prozess vor Landgericht - "Haben Sie irgendeine Erinnerung?"

Am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ist sein früherer Bodyguard befragt worden. Doch der kann sich an nichts erinnern - was den Vorsitzenden Richter sichtlich ärgert und die Verhandlung an diesem Tag zur Farce macht.

Michael B. Berger 01.12.2013
Niedersachsen Dritter Verhandlungstag im Wulff-Prozess - Das Codewort Professor M

Tiefe Einblicke in die Termindichte eines niedersächsischen Ministerpräsidenten hat der dritte Tag im Strafverfahren gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff gebracht. Vor dem Landgericht Hannover wurde als erste Zeugin die frühere Vorzimmerdame Wulffs vernommen.

Michael B. Berger 30.11.2013
Niedersachsen Kritik an Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz - Landtag will eine
 neue Postanschrift
Klaus Wallbaum 04.12.2013
04.12.2013