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Niedersachsen Hühnerkonzern im Visier der Staatsanwaltschaft
Nachrichten Politik Niedersachsen Hühnerkonzern im Visier der Staatsanwaltschaft
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12:00 14.02.2011
Quelle: dpa
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Der Cuxhavener Hühnerzuchtbetrieb Lohmann Tierzucht (LTZ) hat offenbar jahrelang gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ sollen LTZ-Mitarbeiter zur Optimierung der Tiere im Zuchtprozess „massenweise“ Kämme und Zehen von Hühnerküken amputiert haben.

Gegen die beiden LTZ-Geschäftsführer Hans-Friedrich Finck und Rudolf Preisinger ermittele die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Stade. „Aufgrund des laufenden Verfahrens kann sich das Unternehmen nicht detailliert zu diesen Vorwürfen äußern. Die angesprochenen Praktiken werden nicht mehr durchgeführt“, teilte das Unternehmen am Samstag mit. LTZ gehört zur Firmengruppe von Erich Wesjohann, einem der weltgrößten Hühnerzuchtkonzerne, der über hundert Länder beliefert.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) kommt in einem Gutachten zum Schluss, dass für diese Verstöße keine tierärztliche Ausnahmegenehmigung vorlag. In Cuxhaven wurden dem Bericht zufolge zudem massenweise für die Zucht unbrauchbare Eintagsküken vergast. Töten ohne Grund ist laut Tierschutzgesetz jedoch ebenfalls verboten. Den Ermittlungen zufolge sind die toten Küken anschließend verbotenerweise bei der Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft im Hausmüll gelandet.

Dazu erklärte das Unternehmen LTZ: „Die Tötung von männlichen Eintagsküken ist im Bereich der Legehennenhaltung in sämtlichen Bio- und konventionellen Haltungsformen weltweit gängige Praxis und erfolgt in Cuxhaven gemäß der Nutztierschlachtverordnung. Die Lohmann Tierzucht hat niemals an die Bremer Entsorgungsgesellschaft männliche Küken geliefert.“

Angesichts der Ermittlungen gegen LTZ fordert die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft von EU, Bund und Ländern eine neue Regeln für eine artgerechte Nutztierhaltung. Sprecher Eckehard Niemann bezeichnete am Sonntag die Tierschutz-Offensiven von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) und ihrem niedersächsischen Amtskollegen Gert Lindemann (CDU) als „halbherzige bzw. kosmetischen Änderungen“, die den Kern und den Großteil der agrarindustriellen Qualzucht und Qualhaltung unberührt ließen.

Nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen LTZ erheben die Grünen im niedersächsischen Landtag massive Vorwürfe gegen die scharz-gelbe Landesregierung. „Es ist kaum vorstellbar, dass die trotz Verbots millionenfach ausgeübte jahrelange Praxis des Amputierens von Zehen und Kämmen von Hühnerküken niemandem aufgefallen ist“, sagte Christian Meyer, agrarpolitischer Fraktionssprecher am Sonntag in Hannover. Es könne kaum noch von Kontrolle die Rede sein. Die Grünen wollen jetzt die Vorgänge im Landtag zum Thema machen.

Am Montag will Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) in Hannover neue Wege zur Verbesserung des Tierschutzes vorstellen. Hierzu gehören auch verbesserte Haltungsbedingungen in der Geflügel- oder Schweinemast. Im vergangenen Jahr hatten die enge Kontakte der damaligen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) in die Geflügelindustrie immer wieder für Aufsehen gesorgt.

dpa