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Niedersachsen Immer Streit um Grotelüschen
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21:48 08.12.2010
Von Karl Doeleke
Agrarministerin Grotelüschen (CDU) wurde gestern von der Opposition hart angegangen. Quelle: dpa
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Grotelüschen verzieht keine Miene, als Ursula Weisser-Roelle (Linke) ihr vorwirft, von Gewinnen zu profitieren, die mit möglicherweise illegalen osteuropäischen Leiharbeitern in einem Schlachthof in Wildeshausen erwirtschaftet werden.

Die Linksfraktion hat das Thema Dumpinglöhne und Leiharbeit am Mittwoch auf die Tagesordnung des Landtags gebracht, weil die Staatsanwaltschaft in Oldenburg wegen illegaler Beschäftigung von Bulgaren in jener Schlachterei ermittelt, an der Grotelü­schens Mann Garlich wirtschaftlich beteiligt ist. „Unerhört“ sei, dass Grotelü­schen die Bezahlung der Bulgaren mit fünf Euro pro Stunde auch noch als „akzeptabel“ bezeichnet habe. Grotelüschen schweigt weiter und blickt starr in eine Fernsehkamera, als der Grüne Christian Meyer wissen will, ob auch bei „Fitkost“ in Neubrandenburg, einer Schlachterei, in der Astrid Grotelüschen bis zu ihrer Ernennung als Ministerin im Mai Prokuristin war, derselbe Stundensatz gezahlt wurde. Der Grüne bekommt keine Antwort auf die Frage, ob Astrid Grotelüschen dort ebenfalls osteuropäische Leiharbeiter angeworben habe. Immerhin sie sie für das Personal zuständig gewesen. Erst als Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) auf die Opposition antwortet, zeigt Grotelüschen eine Regung. Sie lächelt, als Bode die Vorwürfe als „grotesk“ zurückweist. CDU und FDP bekräftigen an diesem Tag ihre Unterstützung für die Ministerin. „Was hat das alles mit Grotelüschen zu tun?“, fragt Bode – und legt damit den Finger in die Wunde: Die Ministerin kommt wegen ihrer Nähe zur skandalträchtigen Fleisch-branche seit Wochen nicht aus den Schlagzeilen. Aber einen konkreten Vorwurf gegen sie selbst gibt es nicht.

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Dass Bode für die Landesregierung spricht, erspart Grotelüschen immerhin eine Antwort auf die Frage des Grünen Meyer nach ihrem Wissen über Bezahlung und Leiharbeit in der Neubrandenburger Schlachterei der Grotelüschens: 1994 hat es ein Ermittlungsverfahren gegen Garlich Grotelüschen gegeben, das aber eingestellt wurde, wie er selbst betont.

Astrid Grotelüschen muss das mitbekommen haben, denn sie war dort seit Jahresbeginn als Prokuristin bestellt. Der Zoll hatte „Fitkost“ überprüft und Unregelmäßigkeiten bei der Beschäftigung von mehreren Polen festgestellt. Es sei „um ähnliche Vorwürfe gegangen wie jetzt in Wildeshausen“, sagt Garlich Grotelüschen. Am Ende hätten sich die Werkverträge aber nicht als illegal erwiesen. Arbeitsbedingungen und die Bezahlung entsprachen wohl dem, was in der Branche üblich ist: Er habe zunächst 9,25 D-Mark, später als Vorarbeiter sieben Euro verdient und oft 16 Stunden gearbeitet, sagt ein Mann, der von 1992 bis 2010 bei Grotelüschens beschäftigt war. Die Forderung der Opposition nach einem Mindestlohn von 10 Euro wies die Landesregierung gestern zurück.

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