Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen In Niedersachsen sinkt der Anteil der Abiturienten
Nachrichten Politik Niedersachsen In Niedersachsen sinkt der Anteil der Abiturienten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 04.01.2010
Von Gabriele Schulte
Der Anteil der Abiturienten ist in Niedersachsen erstmals seit Jahren gesunken.
Der Anteil der Abiturienten ist in Niedersachsen erstmals seit Jahren gesunken. Quelle: Nico Herzog
Anzeige

Die bundesweite Quote stieg im selben Zeitraum von 31 auf 31,7 Prozent. Im Vergleich der Länder ist Niedersachsen das einzige, dessen Anteil an Studienberechtigten sank. Während das Kultusministerium in Hannover am Montag von einer „möglicherweise nur kurzfristigen Verlagerung“ sprach, forderte die Opposition im Landtag einen Kurswechsel in der Bildungspolitik.

„Wir sind alarmiert“, sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD, Frauke Heiligenstadt. Sollte sich in Niedersachsen tatsächlich ein Trend weg vom Abitur entwickeln, werde das Land „abgehängt“ und steuere mehr noch als die anderen auf einen Fachkräftemangel zu. Ina Korter von den Grünen rief die Landesregierung auf, ihre Beschlüsse zum Turboabitur auch an Gesamtschulen zurückzunehmen und nicht am freien Elternwillen beim Wechsel auf das Gymnasium zu rütteln: „Sonst geht die Regierung wissentlich das Risiko ein, Schüler schlechter zu qualifizieren als andere Bundesländer.“ Die Unterschiede zwischen den Ländern sind jetzt schon sehr groß. Der Anteil derjenigen eines Altersjahrgangs, die die allgemeine Hochschulreife erwerben, reicht von 21 Prozent in Bayern bis 38,8 Prozent in Hamburg. Von den Stadtstaaten abgesehen, steht Nordrhein-Westfalen mit 33,8 Prozent weit vorn, die Durchschnittsquote der Flächenländer liegt bei 31,3 Prozent.

Weiterhin machen in den großen Städten deutlich mehr Schüler Abitur als auf dem Land. Niedersachsens GEW-Chef Eberhard Brandt führte die zwischen Ems und Elbe gesunkene Quote auf „oft noch zu weite Wege zum Kreisgymnasium“ zurück. Gegensteuern lässt sich nach Ansicht der Lehrergewerkschaft mit weiteren Gesamtschulen. Roland Neßler vom Philologenverband warnte indes davor, die Leistungsanforderungen für das Abitur weiter zu senken. „Dann ist die Gefahr zu groß, im Studium zu scheitern.“

An den Abiturprüfungen direkt scheitern die wenigsten: im Jahr 2008 nur 913 bei mehr als 25.600 Abiturienten. Viele von den 31,1 Prozent des Jahrgangs, die 2001 – damals noch von der Orientierungsstufe – in die 7. Klasse des Gymnasium wechselten, müssen es lange vor dem Abitur wieder verlassen haben. Auch bei den Studienberechtigten mit Fachhochschulreife ist die Quote in Niedersachsen gesunken: von 12,8 auf 12,5 Prozent.