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Niedersachsen In sieben Jahren kommt der Atommüll
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07:25 08.06.2012
Mal wieder unter Tage: Umweltminister Birkner (rechts) lässt sich von einem Mitarbeiter des Strahlenschutzamtes durch das Bergwerk führen.
Mal wieder unter Tage: Umweltminister Birkner (rechts) lässt sich von einem Mitarbeiter des Strahlenschutzamtes durch das Bergwerk führen. Quelle: dpa
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Salzgitter

Den Namen verdankt er Konrad Ende, einem der Chefs des Stahlwerks in Salzgitter - Schacht Konrad. Das ehemalige Eisenerzbergwerk nahe Braunschweig ist das erste nach strengem Atomrecht genehmigte Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll. In sieben Jahren soll das Endlager nach Vorstellungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Betrieb gehen. Gestern hat es Landesumweltminister Stefan Birkner (FDP) besucht - und den Anrainern und Konrad-Gegnern wenig Hoffnung gemacht, dass der Schacht nicht für die Lagerung von Atommüll genutzt werden könnte.

Mit Treckern und Transparenten („Weltatomerbe Braunschweiger Land“) waren Gegner des Endlagerprojektes, das nach zwanzigjährigen Streit vor zehn Jahren genehmigt worden ist, vorgefahren. Sie versuchten, Birkner in eine kurze Diskussion zu ziehen. Auch aus der Gegend von Wolfenbüttel, wo die Asse liegt, waren Demonstranten gekommen. „Wir werden hier doch dasselbe Dilemma bekommen wie in der Asse“, meinte eine ältere Anwohnerin.

Birkner widersprach. Im Unterschied zur Asse, die einst als Forschungsbergwerk deklariert worden war, aber schon früh als Atommülllager diente, sei Schacht Konrad nach strengen Kriterien überprüft worden. Und statt eines ausgehöhlten Salzstocks habe man mit Konrad ein ehemaliges Eisenerzbergwerk vor sich, in dem man keinerlei Probleme mit eindringenden Wassermassen habe.

Das unterstrich auch Stefanie Nöthel, Vizepräsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, die den Minister auf seiner Besichtigungstour begleitete. „Die Asse ist nicht mit Konrad zu vergleichen.“ Konrad solle ab 2019 etwa 90 Prozent des in Deutschland anfallenden Atommülls aufnehmen - dieser schwach und mittelradioaktive Abfall beinhaltet nur 0,1 Prozent der gesamten in Deutschland vorhandenen Strahlung.

Auf die naheliegende Frage, ob der nahe der Asse liegende Schacht Konrad denn den Asse-Müll aufnehmen könne, hielten sich Birkner wie auch die BfS-Vizepräsidentin bedeckt. „Es gibt keinen vorgezeichneten Weg für den Asse-Müll in den Konrad“, sagte Stefanie Nöthel. Dafür sei die 2002 erteilte Genehmigung auch nicht vorgesehen. Theoretisch gäbe es natürlich die Möglichkeit, Schacht Konrad zu erweitern. „Wir prüfen das im Moment aber nicht.“ Zumindest Platz herrscht in dem Schacht. Denn ursprünglich war die Anlage, die 1000 Meter in die Tiefe reicht, für 650000 Kubikmeter Müll konzipiert. Die beantragte Menge ist allerdings schon bei der Genehmigung vom BfS auf 303000 Kubikmeter reduziert worden. Man brauche nicht mehr, weil der Atommüll komprimiert werde, hieß es damals. Rund 100000 Kubikmeter Atommüll lagern derzeit oberirdisch in den Zwischenlagern an den Kernkraftwerken.

Birkner unterstrich, dass es sich bei Schacht Konrad „um einen rollenden Zug, den man nicht einfach aufhalten kann“ handele. Nur die bei der Asse geführte Diskussion um die Rückholbarkeit des Atommülls könne „Rückwirkungen“ auf Schacht Konrad haben. Fragt sich nur, welche.

Klaus Wallbaum 07.06.2012
Saskia Döhner 07.06.2012
Michael B. Berger 06.06.2012