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Niedersachsen Inklusion steht auf der Kippe
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07:31 10.04.2014
Von Gabriele Schulte
Der Unterricht mit behinderten Kindern droht laut Studie an den Kosten zu scheitern. Quelle: Jonas Güttler
Hannover

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung kommt nur schleppend voran. Da bei immer mehr Schülern ein besonderer Förderbedarf erkannt wird, droht laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung die sogenannte Inklusion an den Kosten zu scheitern. Zwar besuchten bundesweit mehr als ein Viertel dieser Schüler mittlerweile eine Regelschule, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger am Mittwoch in Gütersloh. „Ein wirklich inklusives Schulsystem ist aber nicht in Sicht.“ Bei dem Ländervergleich, der auf Zahlen der Kultusministerkonferenz aus dem Schuljahr 2012/13 beruht, ist Niedersachsen das Schlusslicht: Nur 15 Prozent der Schüler mit Handicap besuchten hier eine Regelschule. Beim Spitzenreiter Bremen waren es 63 Prozent.

Wie eine Sprecherin von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, ist der Anteil nach der Änderung des Schulgesetzes zum aktuellen Schuljahr deutlich gestiegen – auf nun fast jeden vierten Schüler mit Unterstützungsbedarf. Die Analyse der Bertelsmann Stiftung benennt jedoch ein Grundsatzproblem: Seit sich Deutschland vor fünf Jahren verpflichtete, Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten, sei der Anteil der Kinder, denen Lernstörungen attestiert wurden, um zehn Prozent gewachsen; sie machen rund 70 Prozent der Kinder mit Förderbedarf aus. Zuletzt habe daher im Bundesdurchschnitt immer noch jedes zwanzigste Kind eine Förderschule besucht. „Für viele eine Sackgasse“, meinte Vorstand Dräger und forderte eine „nationale Kraftanstrengung“. Blieben Personal und Geld nämlich im Förderschulsystem gebunden, sei die Inklusion „ernsthaft gefährdet“. Den Anstieg bei als lernschwach erkannten Schülern führt die Stiftung nicht zuletzt auf die gestiegene Bereitschaft von Eltern zurück, ihre Kinder überprüfen zu lassen. 

Bremen sei schon seit den siebziger Jahren Vorreiter beim gemeinsamen Unterricht, erklärte eine Sprecherin der dortigen Bildungssenatorin. Inklusion werde hier nicht als Zugeständnis an Behinderte, sondern als etwas Selbstverständliches angesehen. Nach Ansicht von Eberhard Brandt, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), ist auch Niedersachsen seit Jahren auf gutem Weg. Der Ländervergleich berücksichtige etwa nicht, dass Bayern und Baden-Württemberg auch separate Förderklassen an Regelschulen als Inklusion bezeichneten.
Ein ernsthaftes Problem sei bundesweit der Mangel an Sonderpädagogen, zu dem Niedersachsen beigetragen habe. „Wir haben sehr um die Studiengänge in Hannover und Oldenburg kämpfen müssen“, sagte Brandt. Weiterhin gebe es dort zu wenig Studienplätze. In vielen Grundschulen mangele es an Sonderpädagogen, die zur Unterstützung im inklusiven Unterricht dringend benötigt würden. Die GEW fordert deshalb, einen Weiterbildungsstudiengang für Grundschullehrer zu schaffen. „Sie sollten dann während des vielleicht zweijährigen Zusatzstudiums zur Hälfte vom Unterricht befreit werden“, sagte Brandt.

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