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Niedersachsen Sondereinsatz für das gemeinsame Lernen
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22:14 21.10.2014
Von Saskia Döhner
Mittendrin, statt außen vor: Auf den Unterricht mit behinderten Kindern fühlen sich Lehrer an Regelschulen oft nicht genügend vorbereitet. Quelle: dpa
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Hannover

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung ist das Ziel – dafür müssen in Niedersachsen noch viele Lehrer qualifiziert werden. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will die Grundschulen darum nun fit für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung machen – und zwar direkt an den Schulen. In den nächsten drei Jahren sollen drei Viertel der Grundschulen im Land mit insgesamt rund 15 000 Pädagogen jeweils zweitägige schulinterne Fortbildungen in Anspruch nehmen können, wenn sie dies denn wollen. „Es ist ein freiwilliges Angebot“, sagte die Ministerin. Gezwungen werde keine Schule.

Anstatt wie bisher einzelne Lehrer zu qualifizieren, die dann ihr Wissen „nach dem Prinzip stille Post“ weitergeben, soll ab nächstem Sommer dann das gesamte Kollegium auf das neue Lernen vorbereitet werden. Ziel sei es, innerhalb der nächsten fünf Jahre dann sämtliche 1700 Grundschulen und damit rund 20.000 Lehrer für Inklusion vorbereitet zu haben. „Dieses Konzept ist einzigartig“, sagte Heiligenstadt.

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Seit gut einem Jahr haben Eltern das Recht, ihre behinderten Kinder auf ­Regelschulen zu schicken. Der gemeinsame Unterricht ist aufsteigend in den ersten und fünften Klassen gestartet worden. Bis Jahresende werden nur 3000  Lehrer für die neuen Aufgaben qualifiziert worden sein. „Die Weiterbildung läuft zu langsam“, sagte Heiligenstadt. In Gesprächen habe sie immer wieder gehört, dass sich Lehrer zu schlecht vorbereitet fühlen, deshalb müssten die Schulen jetzt umfassend qualifiziert werden.Auch wenn an den beiden neuen schulinternen Fortbildungstagen kein Unterricht stattfinden könne, weil alle Lehrer an der Schulung teilnähmen, sei die Betreuung der Kinder im Zuge der Verlässlichen Grundschule gewährleistet, betonte Heiligenstadt.

Die Fortbildungen werden von speziell geschulten Lehrern gemacht. Sie werden dafür von ihren eigentlichen Aufgaben freigestellt und müssen über das gesamte Schuljahr sechs Stunden in der Woche weniger unterrichten als üblich. Bislang gibt es rund 30 dieser „Multiplikatoren“, bis Mitte 2015 sollen 70 weitere hinzukommen. Die Leibniz Universität Hannover soll die Qualifizierung wissenschaftlich untersuchen.
Der Verband Bildung und Erziehung wies am Dienstag auf die dramatische Lage an den Grundschulen hin. Die Lehrer seien durch die Inklusion, aber auch eine Vielzahl anderer Aufgaben überfordert. Hunderte Pädagogen hätten Überlastungsanzeigen gestellt, der Krankenstand in den Kollegien sei hoch, jede fünfte Schulleiterstelle sei gar nicht oder nur übergangsweise besetzt, und immer mehr Unterrichtsstunden fielen aus.

Längst fällig

Seit gut einem Jahr haben Kinder mit Handicap den Rechtsanspruch, eine Regelschule zu besuchen. Bislang macht allerdings noch nicht einmal jede zweite Familie davon Gebrauch. Eben auch, weil Eltern wissen, dass viele Förderschulen bislang deutlich besser ausgestattet sind als die Regelschulen. Viele Lehrer sind mit der neuen Aufgabe hoffnungslos überfordert – und sie waren mit den Sorgen alleingelassen. Oft sind es nicht körperbehinderte Kinder, die Pädagogen an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen, sondern verhaltensauffällige oder lernschwache Schüler. Auf den Umgang mit ihnen sind Lehrer kaum vorbereitet. Die Kultusministerin versucht, diesen fahrlässigen Fehler der Inklusion jetzt auszubessern. Das war längst fällig. Nach den Grundschulen müssen nun auch die weiterführenden Schulen qualifiziert werden.

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