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Niedersachsen Irak-Flüchtlinge in Hannover gelandet
Nachrichten Politik Niedersachsen Irak-Flüchtlinge in Hannover gelandet
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21:59 19.03.2009
Von Veronika Thomas
Vorübergehende Unterkunft: Die Flüchtlinge kommen zunächst nach Friedland. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Sie wirkten erschöpft, aber glücklich, einige der 122 irakischen Flüchtlinge winkten den Fotografen beim Verlassen der Chartermaschine aus Damaskus lachend zu. Am Donnerstag Nachmittag landeten die ersten von insgesamt 2500 Irakern, die in Deutschland eine neue Heimat finden sollen, auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann und Peter Altmaier, Staatssekretär im Bundesinnenministerium (beide CDU), begrüßten die Ankömmlinge. „Sie haben eine schwere Zeit hinter sich, aber heute beginnt für Sie ein neuer Lebensabschnitt“, sagte Schünemann. „Wir haben alles für Sie vorbereitet, und hoffen, dass Sie zu stolzen und glücklichen neuen Bürgern unseres Landes werden.“

Bis auf eine vierköpfige Familie mit einem kranken Baby, die gleich nach Hessen gebracht wurde, fuhren alle anderen Flüchtlinge weiter ins Durchgangslager Friedland bei Göttingen. Von dort werden sie nach zwei Wochen auf die Bundesländer verteilt. Alle, die in Niedersachsen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern leben werden, erhalten zunächst einen dreimonatigen Sprach- und Integrationskursus. Die meisten von ihnen haben bis zu fünf Jahre unter schwierigsten Bedingungen im syrischen Exil gelebt und vergeblich auf eine Rückkehr in den Irak gewartet.

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Ende vergangenen Jahres hatten sich die europäischen Innenminister darauf geeinigt, insgesamt 10 000 irakische Flüchtlinge aufzunehmen. Nach Angaben von Pro Asyl, der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge, leben mehr als zwei Millionen Iraker in Syrien und Jordanien, darunter viele Angehörige religiöser Minderheiten, die im Irak verfolgt werden. Pro Asyl und andere Hilfsorganisationen hoffen auf eine Erweiterung des europäischen Aufnahmeprogramms.

Von den 2500 Irakern, die Deutschland aufnimmt, kommen 233 nach Niedersachsen. Bei den gestern Angekommenen handelt es sich um 96 im Irak verfolgte Christen, 19 Mandäer sowie einige Sunniten und Schiiten. Die meisten kommen als Familien, 36 Kinder und Jugendliche sind dabei. Sie erhalten zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Die weiteren Flüchtlinge gelangen nun alle 14 Tage per Flugzeug über Hannover-Langenhagen und Friedland oder Bramsche nach Deutschland. Im Herbst sollen alle in Deutschland sein, sagte Altmaier. Er bezeichnete die Aktion als größten humanitären Akt der EU seit Aufnahme der Kosovo-Flüchtlinge vor acht Jahren.

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR und das Bundesamt für Migration und Flüchtlingsfragen, die die Auswahl der Menschen für eine Ausreise nach Deutschland getroffen haben, hätten sich in Gesprächen unter anderem an deren Integrationsfähigkeit orientiert, sagte Altmaier. Als weitere Kriterien nannte er humanitäre Gründe wie Krankheit und Traumatisierung.