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Niedersachsen Staatsjagd - jetzt ein Privileg für Selbstzahler
Nachrichten Politik Niedersachsen Staatsjagd - jetzt ein Privileg für Selbstzahler
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11:28 23.12.2013
Sammeln vor dem Start: Zur Staatsjagd in Springe dürfen jetzt eingeladene Gäste und Selbstzahler kommen. Quelle: Martin Steiner
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Hannover/Springe

Früher war die Staatsjagd in Springe (Region Hannover) ein Privileg für eingeladene Gäste der Landesregierung. Doch mit diesen „hochherrschaftlichen Riten aus der Kaiserzeit“ wollte der neue Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) brechen, weil sie nicht in „unsere Zeit passten“. Aber eine echte Volksjagd ist aus der Staatsjagd deswegen nicht geworden. Mitmachen kann nur der Jäger, der genug Geld hat. Statt der Einladung zählt nun das Portemonnaie.

Am 6. Januar findet im sogenannten Staatsjagdrevier in Springe die nächste große Gesellschaftsjagd statt. Im gut 1600 Hektar großen Mauerpark wird auf Wildschweine, Rehe, Muffel und Damwild angelegt. Förster und Jäger, die „sich als Ehrenamtliche verdient gemacht haben“ (Meyer) dürfen dabei sein, und sie sind dabei keineswegs unter sich.

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Wie Joachim Hansmann, Pressesprecher der zuständigen Landesforsten, am Wochenende bestätigte, wird die Teilnahme an einer Drückjagd im Staatsjagdrevier bundesweit vermarktet. Der Jagdvermittler K&K Premium Jagd GmbH aus Erkrath bei Bonn preist die Einladungen im Internet für 849 Euro an. Hansmann bezweifelt, dass diese Summe tatsächlich gezahlt wird. Angebot und Nachfrage regelten den Preis. Aktuell variiere er zwischen 300 und 500 Euro pro Teilnehmer.

Die Förster und Jäger, die vom Forstamt Springe zu einer Gesellschaftsjagd eingeladen werden, kommen preiswerter davon. Sie zahlen in der Regel nur 100 Euro. Wenn sie einen Studentenausweis vorlegen können, sind sie mit 40 Euro dabei. Als Gegenleistung gibt es nicht nur einen attraktiven Standplatz im Revier, sondern auch Verpflegung. Die Jäger sprechen von einem zünftigen „Schüsseltreiben“ im Marstall des Jagdschlosses. Früher kassierten die Gastgeber meist nur 50 Euro und einen kleinen Obulus für die Jagdhelfer und Hundeführer.

Als am 2. Dezember erstmals nach den neuen Rahmenbedingungen zur Jagd im Mauerpark geblasen wurde, waren 77 Weidmänner dabei. 60 jagten auf Einladung des Forstamtes, 17 hatten sich eingekauft, indem sie das K&K-Angebot gebucht hatten. Der Anteil der Selbstzahler ist also eher gering. Die Jagd sei recht erfolgreich gewesen, heißt es aber in Springe. Erlegt wurden 50 Wildschweine, acht Rehe, acht Muffel und neun Stück Damwild. Ob die Jagd ein wirtschaftlicher Erfolg war, wollen Forstamtsleiter Joachim Menzel und Pressesprecher Hansmann nicht deutlich sagen. Den Einnahmen des Forstamtes stünden schließlich auch Aufwendungen gegenüber. Insgesamt sei das Forstamt „bemüht, eine schwarze Null im Jagdbetrieb zu erwirtschaften“.

Übrigens ist eine Regel aus der alten Zeit der Staatsjagden bisher nicht geändert worden: Die Teilnehmer müssen zwar einen Jagdschein haben, aber keiner muss vor Beginn nachweisen, dass er den Umgang mit der Waffe gut beherrscht - und somit treffsicher und tierschutzgerecht jagen kann. Aber genau daran war Minister Meyer gelegen, als er das Halali für die Staatsjagden ankündigte.

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