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Niedersachsen Jedes Jahr neun Grundschulen weniger
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18:46 08.05.2012
Von Saskia Döhner
Foto: Stressjob Grundschulleiterin: Heidrun Weymann, Rektorin der Grundschule Grasdorf in Laatzen bei Hannover, muss nicht nur unterrichten, sondern auch Vertretungspläne erstellen, mit Eltern und Mitarbeitern reden und vieles mehr.
Stressjob Grundschulleiterin: Heidrun Weymann, Rektorin der Grundschule Grasdorf in Laatzen bei Hannover, muss nicht nur unterrichten, sondern auch Vertretungspläne erstellen, mit Eltern und Mitarbeitern reden und vieles mehr. Quelle: Poblete
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Hannover

Die Zahl der Grundschulen sinkt und sinkt. Seit 2003 sind in Niedersachsen im Schnitt pro Jahr neun Grundschulen geschlossen worden. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der SPD hervor. Und die noch bestehenden Schulen werden immer kleiner. Von den rund 1700 landesweit haben zwei Drittel nicht mehr als zwei Klassen pro Jahrgang, 67 bringen es nicht mal auf eine Klasse. An immer mehr Schulen gibt es jahrgangsübergreifenden Unterricht, oft sind es Kombiklassen für die ersten und zweiten und für die dritten und vierten Jahrgänge.

Der Landtag hat gestern Abend über die Zukunft der Mini-Grundschulen debattiert. Trotz des stetig anhaltenden Schülerrückgangs sei es wichtig, an den kleinen Grundschulen festzuhalten, sagte Karl-Heinz Klare (CDU), und zwar sowohl aus pädagogischen, als auch aus strukturellen Gründen. „Sie sind sozialer Nahraum für die Kinder und Entwicklungschance für die Gemeinden.“ In kleinen Schulen könne man besser individuell fördern, die persönliche Zuwendung sei größer. Ob Mini-Schulen selbstständig bleiben oder sich zu Verbünden zusammenschließen sollen, müssten die Gemeinden entscheiden.

Ina Korter (Grüne) warf Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vor, nichts dafür zu tun, damit Mini-Schulen auch mit hoher Qualität arbeiten könnten. Das Land unterstütze sie weder dabei, gute Konzepte für jahrgangsübergreifenden Unterricht zu entwickeln, noch mache es selbst die Einrichtung von Schulverbünden attraktiver.

Althusmann hat stets betont, dass das Land keine Schulen schließe. Dies sei allein die Entscheidung der Kommunen. Die SPD warf der Regierung ein doppeltes Spiel vor. Das Innenministerium übe Druck auf verschuldete Kommunen aus. Wer einen Zukunftsvertrag abschließen wolle oder seinen Haushalt genehmigen lassen müsse, werde dazu aufgefordert, Schulen zu schließen, kritisierte Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt und verwies auf Bad Münder (Kreis Hameln-Pyrmont), wo eine Schule geschlossen werden müsste, und auf den Kreis Northeim, wo gleich drei Standorte dichtgemacht werden sollen. „Während der nette Herr Althusmann betont, keine Schule schließen zu wollen, setzt Kabinettskollege Schünemann die Daumenschrauben an und die Kommunen haben den Schwarzen Peter“, sagte die Wolfenbütteler SPD-Abgeordnete Dörthe Weddige-Degenhard.

Das Innenministerium wies die Vorwürfe zurück. Man mische sich nicht in die kommunale Selbstverwaltung ein, die Gemeinden entschieden selbst, an welcher Stelle sie sparen wollten, ließ Minister Uwe Schünemann (CDU) über einen Sprecher erklären.

Grundschulen haben noch mit einer Reihe anderer Probleme zu kämpfen:

Problem fehlende Schulleiter: 134 Rektorposten waren am 1. Februar 2012 offen, hinzu kommen weitere 100 Stellen, die nur kommissarisch besetzt sind. Bevor sich ein Bewerber findet, sind oft mehrere Ausschreibungsrunden nötig. 169 Schulen waren länger als ein halbes Jahr ohne Leitung. Der Schulleitungsverband verweist schon seit Langem auf die Aufgabenfülle und die geringe Besoldung, die die Leitung einer Mini-Grundschule unattraktiv machten. Die Forderung, kein Leitungsamt unter A14 zu bezahlen, sei zwar berechtigt, aber angesichts der knappen Finanzlage nicht zu finanzieren, sagte Björn Försterling (FDP).

Problem zuviele Frauen: Nur ein Zehntel der Lehrer an Grundschulen ist männlich. Das Land bleibe ein Antwort schuldig, wie man dies verändern könnte, rügte Weddige-Degenhard. Bei den Schulleitern liegt der Männeranteil bei einem Drittel. Während Christa Reichwaldt (Linke) dies kritisierte und die Regierung zum Gegensteuern aufforderte, sagte FDP-Mann Försterling, dass man froh sein könne, wenn Leitungsposten überhaupt besetzt werden könnten, egal ob der Bewerber männlich oder weiblich, homo- oder heterosexuell sei.

Problem Sprachförderung: Immer mehr Kinder haben Sprachdefizite. In den vergangenen drei Jahren stieg ihr Anteil um knapp ein Viertel. Die Opposition rügte, dass es seit zehn Jahren Sprachfördermaßnahmen gebe und die Regierung keinerlei Erkenntnisse über ihre Wirkung habe.

Andreas Schinkel 07.05.2012
Michael B. Berger 04.05.2012
Klaus Wallbaum 06.05.2012