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Niedersachsen Juncker outet sich als Braunschweig-Fan
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02:15 18.05.2017
Von Michael B. Berger
Überraschende Warnung: Jean-Claude Juncker, hier mit Bernd Busemann. Quelle: Holger Hollemann
Hannover

Schon der Einstieg seiner Rede war für hannoversche Ohren (und 96-Fans) überraschend. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bekannte sich als Eintracht Braunschweig-Fan. Doch noch überraschender waren die deutlichen Warnungen des EU-Kommissionspräsidenten vor zu viel Zentralismus in Europa. „Man sollte Abstand nehmen von diesem irrsinnigen Konzept der Vereinigten Staaten von Europa“, sagte Juncker am Montagnachmittag in Hannover.

Mit Juncker als Festredner zum 70-jährigen Bestehen des Landtages hatte Landtagspräsident Bernd Busemann einen guten Griff getan. Denn Juncker redete frei, auf deutsch - und auf den Punkt. Der Luxemburger sang ein Loblied auf die Nationalstaaten („die Nationen sind keine provisorische Erfindung der Geschichte, sondern auf Dauer angelegt“) und ihre Parlamente. Die sollten sich einmischen in den Disput über Europa, um ihren Staat zu erhalten. „Wenn sie es nicht machen, tun es die Populisten.“

Kein europäischer Duschkopf

Europa selbst sollte sich indes nicht allzuviel einmischen, etwa in die Normierung technischer Geräte, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren, sagte der EU-Präsident, der selbstironisch bekannte, einen „heroischen Kampf“ gegen die Einführung eines europäischen Duschkopfes geführt zu haben. Und aus eigener Stärke heraus sollte Europa sich nicht ausschließlich mit den Briten und dem Brexit beschäftigen. Juncker betonte, dass auch dank der Türkei heute die Grenzsicherung der EU funktioniere. Einen Staat mit Todesstrafe könne man allerdings nicht in die EU lassen.

Zum 70-jährigen Bestehen des niedersächsischen Landtags hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Festvortrag gehalten.

Neben der Rede Junckers lieferten beeindruckende Filmaufnahmen vom zerstörten Niedersachsen im Jahr 1947, als der Landtag erstmals in der hannoverschen Stadthalle tagte, ein Plädoyer für ein Europa ohne Krieg. „Jeder Tag Krieg in Europa kostet soviel wie der Jahresetat der EU“ sagte Juncker: Deshalb gebe er lieber Geld aus für den Krieg als für den Frieden, sagte der EU-Präsident, bevor das Publikum ihn wispernd und mit Handbewegungen auf den Versprecher aufmerksam machte: „Umgekehrt natürlich, Ihr seid intelligente Niedersachsen.“

Da wollten Ministerpräsident Stephan Weil und Gastgeber Busemann nicht widersprechen, der ein Salonorchester Schlager aus den Nachkriegsjahren spielen ließ. „Träume kann man nicht verbieten“, hieß es da etwa. Dem schloss sich auch der EU-Kommissionspräsident an.

Stephan Weil gibt sich nach der dramatischen Niederlage der SPD bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gelassen. „Die Grundzufriedenheit ist in Niedersachsen wesentlich stärker ausgerpägt als bei unseren Nachbarn“, sagte der Ministerpräsident im Interview.

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