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Niedersachsen Junge Intensivtäter in Strafpunkte-Kartei erfasst
Nachrichten Politik Niedersachsen Junge Intensivtäter in Strafpunkte-Kartei erfasst
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21:54 12.04.2010
Von Karl Doeleke
Innenminister Uwe Schünemann (CDU) will mit einer Strafpunkte-Kartei verhindern, dass die Polizeidienststellen weiter ganz unterschiedlich mit kriminellen Kids umgehen. Quelle: dpa
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116 Jugendliche begehen 3078 Straftaten, das ist das Ergebnis der neuen Intensivtäterdatei der Polizei. Allein auf das Konto der 116 besonders straffällige Minderjährigen Konto gehen 3078 schwere Straftaten wie Raub, gefährliche Körperverletzung oder schwerer Diebstahl. Die Datei sei bundesweit einmalig, sagte Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Montag in Hannover.

Mit der Intensivtäterdatei sei es nun erstmals gelungen, junge Intensivtäter nach landesweit einheitlichen Kriterien zu identifizieren und zu erfassen. Sie verteilen sich beinahe gleichmäßig über die Polizeidirektionen des Landes: In Hannover sind 23 von ihnen registriert, in Osnabrück 28, in Braunschweig 24, in Lüneburg 21 und in Oldenburg sowie Göttingen jeweils zehn. Es gebe kein Gefälle zwischen der Großstadt und ländlichen Regionen, erklärte Schünemann: „Alkohol, Verwahrlosung und gesteigerte Gefühlskälte gegenüber den Opfern gibt es im ganzen Land.“

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Ziel der Datei ist es, dass die Polizeibehörden einheitlich mit kriminellen Jugendlichen umgehen. Außerdem soll das Konzept präventiv wirken. „Es geht darum, jugendliche Verbrecherkarrieren zu beenden“, erklärte Schünemann. Daher halte die Polizei besonders intensiven Kontakt zu den Jugendlichen, suche sie zu Hause, in der Schule oder im Freundeskreis auf. In Konferenzen würden Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Polizei und Schule über die Fälle beraten. Die Hoffnung lautet, dass die Zahl der Intensivtäter in zwei bis drei Jahren zurückgeht.

Die FDP-Fraktion kritisierte am Montag, dass das Land ein weiteres Register öffnet, in dem persönliche Daten von Bürgern gespeichert werden. Als Intensivtäter gelten Jugendliche, sobald sich 35 Punkte auf ihrem Konto angesammelt haben. Für Raubtaten oder sexuelle Delikte werden ihnen fünf Punkte angelastet, für gefährliche Körperverletzung drei. Delikte wie Drogenhandel oder Nötigung schlagen mit zwei Punkten zu Buche.

Nach zwölf Monaten werden eingetragene Punkte wieder gelöscht. Die registrierten Jugendlichen seien überwiegend 16 bis 17 Jahre alt, unter ihnen befinden sich drei Mädchen. Ein besonders auffälliger Jugendlicher ist im Raum Stade registriert: Er hat mit 70 Straftaten wie Raub oder Sachbeschädigung mehr als 200 Punkte gesammelt.