Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Edathy und die Kanada-Verbindung
Nachrichten Politik Niedersachsen Edathy und die Kanada-Verbindung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:07 12.02.2014
Die Polizei in Toronto stellte im November 2013 ihre Ergebnisse vor. Quelle: dpa
Anzeige
Toronto/Hannover

Im November vergangenen Jahres gab Torontos Polizeichef William Blair den erfolgreichen Abschluss dreijähriger Ermittlungen unter dem Decknamen „Spade“ („Spaten“) bekannt, die nach dem damaligen Stand zu 341 Festnahmen in mehreren Ländern führten. Ausgangspunkt waren Ermittlungen gegen einen Mann in Toronto, der mit entsprechenden Filmen und Fotos gehandelt und auch die Aufzeichnungen von Missbrauch initiiert haben soll. Die Ermittler gaben Hinweise für weitere polizeiliche Ermittlungen an Polizeidienststellen in mehr als 50 Ländern weiter - darunter auch nach Deutschland. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen könnte einer dieser Hinweise die Ermittler schon vor Monaten auch auf die Spur Edathys geführt haben.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hat die Polizei in dem Material Daten über Kaufkontakte zwischen dem kanadischen Internetshop und einer Edathy zugehörigen Computer- und Adressverbindung aus den Jahren 2005 bis 2010 gefunden. Die Zahlung für Fotos und Videos soll über eine Kreditkarte erfolgt sein, Interessierte seien in der Regel über den Postweg beliefert worden. Vorausgegangen waren jedoch vielfältige Identitätsprüfungen, auch über Internet. 2005 bis 2009 war Edathy Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses.

Anzeige

Sollte es zutreffen, dass die ersten Kontakte zu dem Anbieter bereits mindestens acht Jahre zurückliegen, spräche das gegen kursierende Verschwörungstheorien. Seit Bekanntwerden der Affäre steht immer wieder im Raum, dass es sich bei den IP-Adressen um manipulierte Spuren handeln könnte, mit denen sich rechte Gruppen oder gar Geheimdienste an Edathy rächen wollten. Edathy war seit 2012 Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses.

Ein Sprecher der Sondereinheit in Toronto lehnte gestern eine Stellungnahme zu dem Fall ab. „Es liegt an den nationalen Polizeidienststellen, zu Einzelfällen Stellung zu nehmen. Wir führen nicht die Ermittlungen, wir geben nur Informationen“, sagte Constable Victor Kwong, Sprecher der Polizei Torontos, der HAZ.

Kanadas 17-köpfige Spezialeinheit hat in jüngster Vergangenheit mehrfach Erfolge im Kampf gegen Kinderpornografie verbuchen können. Erst vor wenigen Tagen meldete Torontos Polizei zwei Festnahmen in Kanada. Im Jahr 2008 führten Hinweise aus Toronto in Sachsen-Anhalt zur Festnahme eines Mannes, der seinen Sohn missbraucht und Fotos von den Taten über das Internet verbreitet hatte.

Mehr zum Thema
Niedersachsen Durchsuchungen bei früherem SPD-Abgeordneten - Wurde Edathy gewarnt?

Möglicherweise ist der SPD-Politiker Sebastian Edathy vor den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn gewarnt worden. Bei Durchsuchungen sollen Computer und Videomaterial gefehlt haben. Derweil erhärten sich die Vorwürfe gegen den früheren Bundestagsabgeordneten.

15.02.2014
Niedersachsen Ermittlungen gegen SPD-Politiker - Weiteres Büro von Edathy durchsucht

Ermittler haben am Mittwoch ein weiteres Büro des SPD-Innenpolitikers Sebastian Edathy in seinem niedersächsischen Heimatort Rehburg durchsucht. "Es wurden dort Dinge sichergestellt", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover. Zuvor hatte Edathy das Vorgehen der Ermittler scharf kritisiert.

12.02.2014
Niedersachsen Staatsanwaltliche Ermittlungen - Edathy unter Verdacht

Sebastian Edathy wehrt sich gegen den Vorwurf, er sei im Besitz kinderpornografischer Schriften gewesen. Was ist dran an den Vorwürfen gegen den niedersächsischen Politiker? Der Rücktritt, die Anzeige – wie hängt alles zusammen? Weggefährten reagieren ratlos – und vieles bleibt rätselhaft.

Dirk Schmaler 14.02.2014
Niedersachsen Durchsuchungen bei früherem SPD-Abgeordneten - Wurde Edathy gewarnt?
15.02.2014
Niedersachsen Ermittlungen gegen SPD-Politiker - Weiteres Büro von Edathy durchsucht
12.02.2014
Klaus Wallbaum 14.02.2014