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Niedersachsen Kirchen rücken die Akten heraus
Nachrichten Politik Niedersachsen Kirchen rücken die Akten heraus
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16:31 16.11.2018
Macht Druck auf die katholische Kirche: Ministerin Barbara Havliza. +++ Quelle: dpa
Hannover

Die katholischen Bistümer in Niedersachsen wollen sich angesichts der kürzlich veröffentlichten Missbrauchsstudie umfassend an der juristischen Aufarbeitung beteiligen. Erste Akten seien bereits an die Ermittlungsbehörden herausgegeben worden, teilte das Justizministerium nach Gesprächen mit Vertretern der katholischen Kirche am Freitag in Hannover mit. In den Bistümern Hildesheim und Osnabrück sowie in Vechta hätten die Staatsanwaltschaften insgesamt acht Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Jetzt ist die Angelegenheit da, wo sie hingehört: in den Händen der Justiz“, sagte Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) zur HAZ. Zuvor hatte sie ein Gespräch mit dem neuen Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sowie anderen Kirchenführern geführt.

Sechs Ermittlungsverfahren eingeleitet

Das Bistum Hildesheim hat nach Angaben des Justizministeriums bereits Ende Oktober Unterlagen an die Staatsanwaltschaft Hildesheim übergeben. Bislang seien dort sechs Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. In einem weiteren Verfahren werde noch ein Anfangsverdacht geprüft. Der neue Bischof Wilmer dringt seit Amtsantritt auf eine vollständige Aufklärung und scheute auch nicht davon zurück, einen seiner Vorgänger, den verstorbenen Bischof Josef Homeyer, für dessen Personalpolitik zu kritisieren. Homeyer hatte den Pater Peter R. nach Hildesheim geholt, der als einer der Serientäter im Berliner Canisius-Kolleg gilt. Es kann gut sein, dass auch aufgrund neuer Vorwürfe, wieder gegen den ehemaligen Geistlichen ermittelt wird, der seit Jahren in Berlin lebt.

Nach einer im September vorgestellten bundesweiten Studie sollen zwischen 1946 und 2014 in Deutschland insgesamt 1.670 katholische Kleriker 3.677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben. In Niedersachsens Bistümern sind in den vergangenen Jahrzehnten mindestens 221 Menschen Opfer sexualisierter Gewalt geworden. So wurden im Bistum Hildesheim 153 und im Bistum Osnabrück 68 weitere Opfer ermittelt. Aber nicht alle der in der Studie untersuchten Fälle seien den Staatsanwaltschaften bislang bekannt gewesen, hieß es. So waren im Bistum Hildesheim in nur vier Fällen die Behörden eingeschaltet worden, obwohl zehn noch lebende tatverdächtige Personen aufgeführt worden waren. Für die Strafverfolger sei die Studie zudem nicht konkret genug gewesen, um Ermittlungsverfahren einzuleiten. Justizministerin Barbara Havliza (CDU) hatte daher Anfang Oktober gefordert, den Staatsanwaltschaften relevante Dokumente zur Verfügung zu stellen. „Dass wir Bischöfe haben, die notwendige Unterlagen herausgeben, macht die Sache einfacher. Ich kann mir vorstellen, dass man interessiert nach Niedersachsen schauen wird, zu welchen Ergebnissen diese Offenheit der Bischöfe führen wird“, sagte Havliza.

Pfeiffer: „Das ist großartig“

Der Kriminologe und frühere Justizminister Christian Pfeiffer begrüßte den vereinbarten Weg: „Ich finde das großartig“, sagte Pfeiffer: „Das jetzt vereinbarte Verfahren kann für die Opfer relevant werden, die womöglich noch Haftungsansprüche an die katholische Kirchen stellen können.“ Es sei gar nicht ausgemacht, dass alle Taten verjährt seien, meinte Pfeiffer: „Dass die Staatsanwälte jetzt in Niedersachsen tätig werden, schafft neue Perspektiven.“

Von Michael B. Berger

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