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Niedersachsen Kita und Grundschule unter einem Dach
Nachrichten Politik Niedersachsen Kita und Grundschule unter einem Dach
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20:37 23.07.2012
Von Saskia Döhner
Der Übergang vom Kindergarten in die Schule soll praxistauglicher werden. Quelle: dpa
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Hannover

Die Idee kam Ministerpräsident David McAllister schon bei einem Londonbesuch im März 2011. Als er dort im Brennpunktviertel Southwark sah, welche Vorteile es hat, Kindergarten und Grundschule in einem Gebäude unterzubringen, fand der CDU-Politiker: „Was in England geht, muss auch in Niedersachsen funktionieren.“ Jetzt wird aus seiner Idee Wirklichkeit: In acht kleinen Kommunen wird nach den Sommerferien das Modellprojekt „Kita und Grundschule unter einem Dach“ ausprobiert. Es sei zwar kein räumliches Dach wie in England, sagte McAllister gestern in Hannover, sondern ein pädagogisches, aber weit entfernt lägen die jeweiligen Kindergärten und Schulen nicht auseinander. „Die meisten kann man zu Fuß erreichen.“

An diesen Standorten sollen Erzieher und Grundschullehrer künftig eng zusammenarbeiten, damit der Übergang zwischen Kita und Schule besser gelingt. Wenn einige Kindergartenkinder schon mit fünf Jahren schulreif seien, könnten sie an ein, zwei Tagen in der Woche schon mal Unterichtsluft schnuppern, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Umgekehrt könnten andere, noch nicht so weit entwickelte Kinder auch länger in der Kita bleiben. Die Regierung will weg von starren Stichtagen hin zu mehr „kindgerechter Flexibilität“. Altersgemischte Gruppen soll es künftig nicht nur mit KIndergarten, sondern vermehrt auch in der Schule geben. Das neue Projekt soll auf früheren Erfahrungen etwa mit dem „Brückenjahr“ aufbauen.

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Aus 95 Bewerbern wurden Cloppenburg, Cremlingen (Kreis Wolfenbüttel), Rosdorf bei Göttingen, die Samtgemeinde Grafschaft Hoya (Kreis Nienburg), Niederwöhren (Kreis Schaumburg), Nordholz (Kreis Cuxhaven), Melle bei Osnabrück und Scharnebeck (Kreis Lüneburg) ausgewählt. Die Auswahl habe ein Beirat aus Vertretern der Kitaträger, Kommunalverbände und Landesschulbehörde getroffen, sagte McAllister. Dass keine größeren Städte zu den Nominierten zählten, könnte daran liegen, dass auf dem Land Kita und Grundschule traditionell enger zusammenarbeiteten, meinte McAllister. Das Land finanziert den Modellversuch über drei Jahre mit insgesamt 720.000 Euro. Jede Kommune erhält pro Jahr 30.000 Euro.

Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Von wem ist noch unklar. Dies beweise, dass das Vorhaben „mit heißer Nadel gestrickt“ sei, kritisierte Frauke Heiligenstadt (SPD). Bei Modellprojekten der Regierung sei sowieso zunehmend Skepsis angesagt, es gehe vorrangig um den plakativen Effekt. Die Vorhaben blieben folgenlos. Auch die Grünen warfen Althusmann Aktionismus vor. Schulexpertin Ina Korter sagte, statt wieder nur ein neues Modellprojekt müsse sie endlich ein landesweites Konzept präsentieren.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

23.07.2012
Klaus Wallbaum 25.07.2012