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Niedersachsen Kommentar: Das ewige Übel des Antisemitismus
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Kommentar: Das ewige Übel des Antisemitismus

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08:05 25.10.2019
Juden in Deutschland sind etlichen Anfeindungen ausgesetzt – das bestätigt auch eine neue Studie. Quelle: Christian Ditsch/epd
Hannover

Auch Gutverdiener können schlimme Vorurteile haben. Und sogar Bildung schützt vor Antisemitismus nicht. Das sind zwei Schlüsse aus einer Studie, die der Jüdische Weltkongress jetzt veröffentlicht hat, eine internationale Organisation von mehr als 100 jüdischen Gemeinschaften. Der Untersuchung zufolge denkt jeder vierte Deutsche antisemitisch. Ist das nun überraschend oder nicht?

Das Wort vom „Vogelschiss“

Es ist nicht überraschend, weil nicht wenige in Deutschland sagen, nun müsse aber bald Schluss sein mit dem Gerede über gerade einmal zwölf von 1000 Jahren deutscher Geschichte. An dieses Unbehagen über das stete Erinnern an die Gräuel des Nazi-Regimes hat AfD-Chef Alexander Gauland mit seinem unsäglichen Wort „Vogelschiss“ anzuknüpfen versucht. Tatsächlich, so die Studie, halten 41 Prozent der Deutschen den Juden vor, sie redeten zu viel über den Holocaust. Ist das nun antisemitisch? Und wie. Denn die wenigen, die den deutschen Terror überlebten, müssen über den Holocaust reden. Und wir auch, deren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern auf der Täterseite standen, der eine mehr, der andere weniger. Reden über den Holocaust. Auch in der Hoffnung, dass sich so etwas nicht wiederholt. Aber weil der Firnis einer Kulturnation zuweilen recht dünn sein kann, darf das „Nie wieder“ nicht nur ein frommer Wunsch, sondern muss auch Auftrag sein.

Antisemitismus bei Linken

Antisemitismus ist dabei kein Problem, das man nur bei Rechtsextremisten verorten kann. Auch auf der Linken gibt es knallharte Antisemiten. Wer die „Auslöschung“ des Staates Israel verlangt, ist auch ein Antisemit. Das heißt nicht, dass man die aktuelle Politik Israels, eine der wenigen Demokratien im Nahen Osten, nicht kritisieren darf. Aber der Ton macht hier ganz entscheidend die Musik.

In Niedersachsen hat sich diese Woche auch der Landtag eine Stunde Zeit für das Thema genommen. Die Parteien haben sie genutzt, um sich in gewisser Weise selbst zu feiern, statt nach den Ursachen des Antisemitismus zu forschen und dessen Auswirkungen zu beschreiben. Ausgerechnet ein Vertreter der AfD sprach dann etwas aus, das zu einer ausgewogenen Debatte über ein gar nicht neues Phänomen gehört: dass Antisemitismus kein Problem ist, das auf ein politisches Lager zu begrenzen wäre. Bei Populisten aller Couleur findet sich die Argumentation, die Juden oder Israel seien schuld.

Auch Muslime trifft Feindschaft

Dagegen hilft nur eines: reden, zeigen, widersprechen. Auch mit staatlicher Macht gegen die ewig Intoleranten vorgehen. Im Grunde ist es unerträglich, dass jüdische Synagogen besonders geschützt werden müssen, dasselbe gilt für muslimische Gotteshäuser. Auch das stimmt nämlich: Die Feindschaft, die vielen Muslimen entgegenschlägt, ist mit der zu vergleichen, die Juden zu ertragen haben.

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