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Niedersachsen Krankenhaus in Rotenburg richtet Babyklappe ein
Nachrichten Politik Niedersachsen Krankenhaus in Rotenburg richtet Babyklappe ein
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13:58 07.01.2010
In Hannover gibt es bereits eine Babyklappe auf der Rückseite des Krankenhaus Friederikenstift.
In Hannover gibt es bereits eine Babyklappe auf der Rückseite des Krankenhaus Friederikenstift. Quelle: Thomas (Archiv)
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Für verzweifelte Mütter sind Babyklappen oft der letzte Ausweg. Der Deutsche Ethikrat hält sie dagegen für moralisch fragwürdig und fordert ihre Abschaffung. Nun hat das Diakoniekrankenhaus in Rotenburg beschlossen, trotzdem ein solches Angebot einzurichten. Damit entsteht dort nach Hannover, Braunschweig, Nordhorn und Osnabrück die fünfte Babyklappe in Niedersachsen.

Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) begrüßte die Pläne am Donnerstag. Allein in den vergangenen zwei Jahren hätten die Babyklappen landesweit zehn Neugeborenen das Leben gerettet, sagte die Ministerin in einer Mitteilung. „Jedes einzelne kleine Menschenleben rechtfertigt dieses Angebot als ultima ratio.“ Die Debatte um die Babyklappen bezeichnete sie als lebensfremd.

In die öffentlich zugänglichen Wärmebettchen können Eltern ihre Babys nach der Geburt legen und zur Adoption freigeben. Der Deutsche Ethikrat kritisierte die anonyme Abgabe der Säuglinge im November als ethisch und rechtlich problematisch. Die Kinder hätten ein Recht darauf, zu erfahren, wer ihre leiblichen Eltern seien. Stattdessen fordert das Gremium die Beratungs- und Hilfsangebote für Schwangere in Notlagen zu verbessern.

Politiker über alle Parteigrenzen hinweg verteidigten dagegen die Babyklappen. Auch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, sprach sich für die anonyme Abgabe von Kindern aus. Ohne sie gebe es für verzweifelte Schwangere in Notfällen keine Hilfe mehr. Käßmann bezweifelt, dass eine bessere Information über bestehende Beratungsangebote und eine engere Zusammenarbeit der Träger dazu führen würde, dass mehr Frauen diese nutzten.

Ross-Luttmann forderte einen einheitlichen Standard für die bundesweit mehr als 85 Babyklappen nach dem Vorbild von Niedersachsen, wo die Einrichtungen alle den Namen „Babykörbchen“ tragen und nach einem Standard kontrolliert werden. „Die Vielfalt bei den Hilfeangeboten und Hilfsvorrichtungen muss hingegen bleiben - also mal vor Kinderheimen, mal an Kliniken - mal mit Glasschiebetür, mal mit Klappe“, sagte Ross-Luttmann.

Internet: www.diako-online.de, www.babyklappe.info

lni

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