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Niedersachsen Kreis Hildesheim lässt Rottweiler töten
Nachrichten Politik Niedersachsen Kreis Hildesheim lässt Rottweiler töten
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22:54 09.06.2009
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Der Landkreis Hildesheim hat zwei Rottweiler einschläfern lassen. Quelle: Mario Moschel/ddp
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Bei der Attacke hatte ein fünf Jahre altes Mädchen Wunden am Kopf, an Schulter und Beinen erlitten, die zweijährige Schwester wurde an den Beinen und im Gesicht verletzt.

Das Tierheim, das sich mehrmals für eine Therapie ausgesprochen hatte, wurde im Vorfeld nicht informiert – der Kreis setzte auf Überrumpelung. In Begleitung von Polizeibeamten erschien ein Vertreter des Ordnungsamtes gegen 12 Uhr im Tierheim an der Mastbergstraße und verlangte die Herausgabe der Rottweiler. Die Feuerwehr transportierte sie zu einem Hildesheimer Tierarzt, der gegen 13.15 Uhr die Giftspritzen setzte.

Damit hat sich die Verwaltung gegen die Therapie entschieden. Der Tierschutzverein wollte die dreijährige Hündin Simba im Tierheim Weidefeld (Schleswig-Holstein) und den jungen Rüden Aslan bei einem Hundetrainer im Kreis Nienburg unterbringen. „Aber niemand kann uns garantieren, dass die nicht wieder zubeißen“, begründet Kreis-Pressesprecher Hans-Albert Lönneker die Entscheidung.

Beide Rottweiler waren nach der Beißattacke durch einen Wesenstest gefallen. Die Halterin der Tiere ist wegen Drogenvergehen mehrfach vorbestraft und hätte die Rottweiler nicht ausführen dürfen. Die Staatsanwaltschaft hat die 39-Jährige inzwischen wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt.

Die Tierschützer reagierten dennoch mit Fassungslosigkeit auf den Entschluss – und das Auftreten des Landkreises. Der Vertreter des Ordnungsamtes habe nicht einmal ein Papier vorweisen können und die Hunde deshalb einfach beschlagnahmt, klagt Tierheimchefin Anja Beschorner. Auch sei ihr verweigert worden, selbst Betäubungsspritzen zu setzen. „Wir hätten den Hunden die letzte Aufregung gern erspart“, sagt sie. Und auch eine Beerdigung habe der Landkreis abgelehnt. „Wir wollten ihnen ein schönes Ende auf dem Tierfriedhof in Salzgitter bereiten“, sagt Beschorner.

Nach dem Zusammenprall ist das Verhältnis zwischen Landkreis und Tierschützern schwer beschädigt. Karin Wrase vom Vereinsvorstand kündigte gegenüber Kreisveterinär Bernd Wichern an, die Zusammenarbeit zu überdenken – der Verein überprüft Meldungen über Missstände bei Tierhaltern und entlastet so den Landkreis. „Da hat mir Wichern gedroht, das Tierheim zu schließen“, berichtet Wrase.

Mehrere Tierschützer haben mittlerweile Strafanzeigen gegen den Landrat und Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Amtstierarzt angekündigt. Die Verantwortlichen der Kreisverwaltung waren gestern für Nachfragen nicht zu erreichen. Für heute ist eine Pressekonferenz angekündigt.

Während das Schicksal der Rottweiler im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist es um die Opfer still. Die Eltern der beiden schwer verletzten Mädchen wünschen Ruhe und äußern sich nicht.

von Hagen Eichler