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Niedersachsen Mehr Förderung für alle Schüler
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19:18 20.03.2014
Von Saskia Döhner
Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Die Lehrerproteste reißen nicht ab - trotz der Ankündigung von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), die Gymnasien zu entlasten. An mehr als 300 Schulen landesweit wurde gestern gegen die Aussetzung der Altersermäßigung für Lehrer ab 55 Jahren und die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Pädagogen an Gymnasien demonstriert. Aufgerufen zu der Aktion „5 vor 12“ hat die Gewerktschaft „Erziehung und Wissenschaft“ (GEW). Gymnasien waren genauso darunter wie Grund- und Berufsschulen. „Der Widerstand ebbt nicht ab“, sagte der GEW-Landeschef Eberhard Brandt. Die Regierung müsse sich bewegen, wenn sie es sich nicht dauerhaft mit den Lehrern verscherzen wolle.

Während die Lehrer sich zu Protestfotos aufstellten, erläuterte Kultusministerin Heiligenstadt zeitgleich Detaifragen zu ihrer Abiturreform: Ab Sommer 2015/16 soll an den Gymnasien die Reifeprüfung nach 13 Jahren (G 9) die Regel sein. Besonders begabte Schüler können ein Jahr überspringen.

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Welche Jahrgänge sind von der Umstellung auf G 9 betroffen?

Alle Schüler, die jetzt in den Klassen 5 und 6 an den Gymnasien oder Kooperativen Gesamtschulen sind, haben wieder ein Jahr länger Zeit bis zum Abitur. Im Frühjahr 2021 wird dann der erste Jahrgang wieder die Abschlussprüfung nach 13 Jahren machen. Für die Integrierten Gesamtschulen hatte Rot-Grün schon zum Schuljahr 2013/14 die Rückkehr zu G 9 beschlossen. Da das Turbo-Abitur an der IGS erst 2011 eingeführt worden war, hat dort nie ein Jahrgang das G 8 abgelegt.

Die heutigen Siebtklässler sind der letzte Jahrgang, der noch G 8 machen muss. Gibt es für diese Schüler auch Erleichterungen?

Ab August 2015 sollen alle Gymnasien pro Jahrgang zwei zusätzliche Förderstunden erhalten, zudem werden in der Oberstufe weniger Klausuren geschrieben. Derzeit sind es in den beiden letzten Schuljahren vor dem Abitur rund 50, künftig sollen es sieben weniger sein. Diese Maßnahmen sollen Stress aus der Schule nehmen. Davon würden auch die Schüler profitieren, die noch G 8 machen müssten, sagt Heiligenstadt. Zudem sollen Kurse auf erhöhtem Anforderungsniveau (Leistungskurse) statt vier künftig fünf Stunden in der Woche unterrichtet werden, die Grundkurse dann drei- statt zweistündig.

Nach Ansicht des Landesschülerrates haben sich viele Jugendliche inzwischen mit dem verkürzten Abitur arrangiert. Müssen die jetzt auch wieder länger die Schulbank drücken?

Lernstarke Schüler können nach der 10. Klasse direkt in den 12. Jahrgang springen. Zusätzliche Förderstunden sollen den Übergang erleichtern. Wer nach dem Wechsel merkt, dass er doch nicht mitkommt, kann innerhalb der ersten drei Monate problemlos wieder zurück in seine alte Klasse.

Die Zahl der Pflichtwochenstunden soll für die Klassen 5 bis 10 bei 30 liegen. Kommen die Kinder dann wieder um 13.30 Uhr nach Hause?

Drei von vier Gymnasien sind in Niedersachsen bislang Ganztagsschulen, zumindest auf freiwilliger Basis an drei Tagen in der Woche. Daran soll sich laut Heiligenstadt auch nichts ändern. Im Gegenteil, diese Schulen sollen besser ausgestattet werden, sodass künftig auch mehr Lehrer nachmittags im Einsatz sind. Sie können Hausaufgaben betreuen und schwächere Schüler fördern. Gerade in den Klassen 5 und 6 sei dies vonnöten, denn in diesen Jahrgängen gebe es die meisten Wechsel.

Die Gymnasien bekommen wieder G 9, die Ganztagsschulen werden besser ausgestattet. Warum streichen die Lehrer trotzdem die Klassenfahrten?

Verbesserungen seien bislang nur angekündigt worden, spürbar seien sie aber noch nicht, sagt Claus Dummeier, Deutsch- und Kunstlehrer an der Ricarda-Huch-Schule in Hannover-List, die sich gestern an der GEW-Protestaktion beteiligt hat. „Es geht um konkrete Arbeitsbelastung, das ist kein Gejammer.“ Heiligenstadt zeigt wenig Verständnis für die Proteste. Durch weniger Klausuren hätten die Pädagogen deutlich weniger zu korrigieren.

Klaus Wallbaum 19.03.2014
Karl Doeleke 17.03.2014