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Niedersachsen Kultusminister Tonne weicht die Fronten auf 
Nachrichten Politik Niedersachsen Kultusminister Tonne weicht die Fronten auf 
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00:17 21.01.2018
Heidegret Bleck ist eigentlich Gymnasiallehrerin in Hannover. Jetzt gibt sie auch Mathematik in der 4. Klasse an einer Grundschule. 
Heidegret Bleck ist eigentlich Gymnasiallehrerin in Hannover. Jetzt gibt sie auch Mathematik in der 4. Klasse an einer Grundschule.  Quelle: Irving Villegas (Archiv)
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Hannover

 Die Zeit der schulpolitischen Grabenkämpfen in Niedersachsen scheint vorbei zu sein: Der neue Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sucht den Dialog mit den Bildungsverbänden. Das Jahr 2018 werde man nutzen, beim Thema Arbeitszeit und bessere Besoldung von Lehrern gemeinsame Lösungen zu finden, sagte er nach einer Sitzung des Forums „Eigenverantwortliche Schule“ am Donnerstag in Hannover. Mehrere Lehrerverbände hatten Klagen eingereicht, weil Pädagogen aus ihrer Sicht viel länger arbeiten als die für Beamte vorgeschriebenen 40 Stunden in der Woche. Tonne warb dafür, lieber im Konsens als vor Gericht eine Einigung zu erzielen.

Abordnungen sind „eine große Zumutung für die Lehrkräfte“

Auch bei den umstrittenen Abordnungen von Gymnasiallehrern an die Grundschulen zeigte Tonne sich kompromissbereit. Zwar werde es auch im zweiten Halbjahr, das am 1. Februar beginnt, wieder „in erheblichem Umfang“ Pädagogen geben, die zeitweise an anderen Schulen aushelfen müssten. Spätestens zum Sommer aber sollten die Abordnungen wieder auf das sonst übliche Maß zurückgefahren werden, sagte der Minister. Er wisse, dass die Abordnungen eine große Zumutung und Belastung für die Lehrer sei.

Alle Schulen seien bereits vor den Weihnachtsferien darüber informiert worden, dass sie Pädagogen abgeben müssten, sagte Tonne. Wie viele Abordnungen es geben muss, ist noch unklar. Da das Land immer noch täglich neue Lehrer einstelle, schwanke die Anzahl der benötigten Stunden stark. Im vergangenen Sommer hatten die Grundschulen 150 Stellen nicht besetzen können. Laut Angaben des Philologenverbandes mussten dafür rund 1600 Pädagogen von Gymnasien stundenweise aushelfen.

Gymnasiallehrer, die nicht zur Sicherung des Pflichtunterrichts  an den Grundschulen nötig seien, sollten wieder abgezogen werden, versprach der Minister. „Auch die Gymnasien sind längst an ihrer Schmerzgrenze“, betonte er. Der Philologenverband hatte immer wieder kritisiert, dass abgeordnete Lehrer an Grundschulen für Pausenaufsichten oder als Zweitkraft eingesetzt werden, während die Gymnasien Unterricht kürzen müssten – etwa Musik und Erdkunde. Das soll es im zweiten Schulhalbjahr nun nicht mehr geben. Philologenchef Horst Audritz nahm die Ankündigung des Ministers mit Wohlwollen auf.

Landesschulbehörde kümmert sich um Verträge

Um die Leitungen kleiner Grundschulen zu entlasten, soll sich künftig die Landesschulbehörde um die Formalitäten bei der Einstellung pädagogischer Mitarbeiter kümmern. Davon würden rund 1900 Schulen profitieren, zum Großteil kleine Grundschulen, sagte Tonne. Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Laura Pooth, sagte: „Die Entlastung von Verwaltungsaufgaben ersetzt nicht eine Änderung der Arbeitszeitverordnung.“

Schul-TÜV wird durch freiwillige Überprüfungen ersetzt

Mehr Entlastung für die Schulen soll auch eine abgespeckte Schulinspektion bringen. Statt einer umfassenden Begutachtung können Schulen sich aussuchen, welche Bereiche künftig untersucht werden. „Der wertvolle Blick von außen“ gehe so nicht verloren, sagte Tonne, das Verfahren sei aber nicht so aufwändig. Anders als bislang ist die Schulinspektion aber nicht mehr verpflichtend, sondern zunächst freiwillig. Der Landeselternrat begrüßt die Reform. „Wichtig ist, dass gut unterrichtet wird“, sagte der Vorsitzende Mike Finke, „und dass überhaupt unterrichtet wird.“

Von Saskia Döhner