Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Kultusminister will Schüler entlasten
Nachrichten Politik Niedersachsen Kultusminister will Schüler entlasten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:26 19.12.2011
Von Saskia Döhner
Schüler sollen nachmittags auch noch Zeit für Sport und andere Freizeitangebote haben.
Schüler sollen nachmittags auch noch Zeit für Sport und andere Freizeitangebote haben. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Über das Wochenende sollen Schüler daher von der ersten bis zur zehnten Klasse grundsätzlich keine Hausaufgaben mehr gestellt bekommen. Dasselbe gilt für die Ferienzeit. Deutsch- oder Fremdsprachenlehrer dürfen von Schüler allerdings verlangen, in den Ferien ein bestimmtes Buch zu lesen. So steht es in einem Erlassentwurf, der gerade in die Anhörung gegangen ist.

Althusmann will auch den maximalen Zeitaufwand für die Hausaufgaben zurückfahren. Grundschüler sollen täglich nicht länger als 30 Minuten arbeiten, Fünft- bis Zehntklässler nicht länger als eine Stunde und Oberstufenschüler nicht mehr als zwei Stunden. Der alte Erlass sieht 30 bis 45 Minuten im Primarbereich, ein bis zwei Stunden in der Sekundarstufe I und zwei bis drei Stunden in der Sekundarstufe II vor. Hausaufgaben seien als Instrument der Nachbereitung unverzichtbar, sollten andererseits aber auch nicht ausufern, sagte Althusmann. Es dürfe nicht sein, dass Kinder nach zehn Stunden Schule auch noch bis spät in den Abend am heimischen Schreibtisch sitzen müssten.

Der Kultusminister trägt auch der Tatsache Rechnung, dass sich immer mehr Schulen in Niedersachsen auf den Ganztagsbetrieb ausweiten. „Die Zahl der Ganztagsschulen hat sich in den vergangenen Jahren verachtfacht“, sagte der Minister. Landesweit sind es mittlerweile rund 1300 Schulen. Egal, ob die Nachmittagsangebote verpflichtend oder freiwillig seien, die Schulen müssten den Kindern umfassend die Gelegenheit geben, die Hausaufgaben gleich in der Schule zu erledigen, heißt es in dem Entwurf. Es müssten nicht unbedingt Lehrer sein, die an den Ganztagsschulen die Hausaufgabenbetreuung übernähmen, meint Althusmann: „Das können Schulen auch über Arbeitsverträge mit pädagogischen Mitarbeitern regeln.“

Schritt in die richtige Richtung

Das sieht Christiane Töller-Weingart vom Grundschulverband ganz anders. „Eine pädagogische Mitarbeiterin, die bei 15 bis 20 Kinder die Hausaufgaben kontrollieren soll, ist damit überfordert.“ So könne es immer wieder vorkommen, dass Kinder ihre Aufgaben in der Schule nur unvollständig erledigen und berufstätige Eltern am Abend mit ihren Sprösslingen den Rest nachholen müssen. „Das ist ärgerlich“, sagt Landeselternratsvorsitzender Pascal Zimmer, „Eltern müssen sich darauf verlassen, dass die Aufgaben wirklich in der Schule gemacht werden.“ Althusmanns Änderungsentwurf sei ein Schritt in die richtige Richtung, gerade auch um durch das Turboabitur enorm belastete Gymnasiasten zu entlasten.

Eberhard Brandt, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW, ist da skeptischer. „Das ist wieder ein Schaulaufen des Ministers. Er erweckt den Eindruck, dass er etwas tut, dabei tut er in Wirklichkeit gar nichts.“ Richtwerte für den maximalen Zeitaufwand seien oft praxisfern. „Mancher Schüler hat nach einer Stunde gerade erst richtig angefangen.“

Kritisch äußert sich auch Frederik Albers vom Landesschülerrat: „Ein Erlass schreibt sich leicht, aber in den Köpfen der Lehrer muss sich etwas ändern.“ Noch immer müssten Gymnasiasten nach zehn, elf Stunden Unterricht zu Hause lange Hausaufgaben machen. Besser wäre es, die überfrachteten Lehrpläne zu straffen und exemplarisch zu lernen, fordern Albers und Heidrun Korsch, Vorsitzende der Direktorenvereinigung.

Eine Schule ohne Hausaufgaben bleibe Zukunftsmusik, heißt es bei den Bildungsverbänden. Es sei auch gar nicht so wünschenswert: „Vokabeln und Gedichte auswendig lernen, Aufsätze schreiben kann man am besten in Ruhe zu Hause.“

17.12.2011
Niedersachsen Brandanschlag auf Pfarrhaus - Eine rechte „Kontaktbörse“
Heinrich Thies 16.12.2011