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Niedersachsen Land bittet Badegäste zur Kasse
Nachrichten Politik Niedersachsen Land bittet Badegäste zur Kasse
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19:43 06.03.2012
Von Saskia Döhner
Baltrum ist die kleinste der ostfriesischen Inseln. Quelle: dpa
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Hannover

Freier Strand für freie Bürger - die Ostfriesischen Inseln fordern vom Land die Abschaffung der sogenannten Standnutzungsgebühr. Der Strand diene der Erholung und müsste allen - Touristen wie Einheimischen - frei zugänglich sein, argumentieren die Bürgermeister, die Inselgemeinden kümmerten sich ohnehin schon um Sicherheit und Sauberkeit. Das Land zeige für die eingezogene Gebühr eigentlich keine erkennbare Gegenleistung, meint Borkums Bürgermeister Georg Lübben (parteilos). Die größte ostfriesische Insel zahlt derzeit jährlich rund 20.000 Euro Strandpacht - für jeden erwachsenen Gast fallen 14 Cent, für jedes Kind sieben Cent an.

Auf Baltrum, der kleinsten Insel, fallen im Jahr 5000 Euro Strandnutzungsgebühr an - für die finanzschwache 500-Einwohner-Gemeinde sei dies viel Geld, das die Insel besser selbst in den Ausbau des Tourismus stecken könnte, sagt Bürgermeisterin Antje Wietjes-Paulick (CDU).

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Derzeit zahlen nur fünf der sieben Inseln überhaupt Strandpacht ans Land - in ganz unterschiedlicher Höhe. Norderney wird als ehemaliges Staatsbad gar nicht zur Kasse gebeten. Der Strand von Wangerooge gehört dem Wasser- und Schifffahrtsamt, eine Bundesbehörde. Die Insel darf ihn unentgeltlich nutzen, muss sich aber um den Erhalt kümmern. "Die Unterschiede bei der Strandnutzungsgebühr versteht kein Mensch", sagt Lübben. Auch das Land will bis spätestens 2015 eine einheitliche Regelung und verhandelt seit Monaten mit den Inseln darüber. Grundsätzlich sei man für eine einheitliche Bemessungsgrundlage, sagt Wangerooges Bürgermeister Holger Kohls (parteilos). Es sei aber zu befürchten, dass die Strandpacht steigen wird. Ähnlich sieht das auch der Bürgermeister von Langeoog, Uwe Garrels (parteilos) "Das Land will mehr verdienen." Das zuständige Landwirtschaftsministerium wollte sich gestern trotz mehrmalige Nachfrage zu dem Thema nicht äußern.

Auch auf dem Festland wird derweil die Forderung nach einem frei zugänglichem Strand laut, etwa im Kreis Friesland. Die Insel-Bürgermeister ärgern sich zudem, dass das Land auch die Pflege und den Unterhalt der Dünen- und Wanderwege auf sie abwälzen will. Am Ende werde die Zeche ohnehin von den Gästen gezahlt werden müssen, heißt es. Die Kurbeiträge, die heute zwischen 2,80 und 3,50 Euro pro Tag für einen Erwachsenen und bei Kindern bei der Hälfte liegen, würden dann sicher erhöht werden.

Klaus Wallbaum 06.03.2012
Karl Doeleke 05.03.2012