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Niedersachsen Land macht Lehrern Zugeständnisse
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21:13 17.04.2015
Von Heiko Randermann
Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will auf die Lehrer zugehen. Quelle: dpa
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Hannover

Bislang bekamen Lehrer vom Land für eine Übernachtung auf einer Klassenfahrt maximal 11 Euro pro Nacht erstattet, 16,50 Euro mit Nachweis. Künftig soll es pauschal 20 Euro geben, mit Nachweis bis zu 30 Euro. Die Erstattung für Nebenkosten auf Klassenfahrten soll von 5 auf 10 Euro pro Tag angehoben werden, allerdings höchstens 30 Euro pro Woche.

Noch ist es Lehrern verboten, Freiplätze bei Fahrten oder Übernachtungen anzunehmen. Mit einem Erlass will die Ministerin nun die Möglichkeit schaffen, dass die Freiplätze angenommen und auf die ganze Gruppe umgelegt werden können. „Damit schaffen wir Rechtssicherheit, schützen die Lehrkräfte und können Sparmöglichkeiten dennoch nutzen“, sagte Heiligenstadt. Auch soll es für Klassenfahrten mehr Ausgleichsstunden geben. Derzeit können sich Lehrkräfte pro Tag eine Ausgleichsstunde gutschreiben, aber maximal vier pro Woche. Diese Obergrenze soll wegfallen, künftig soll gelten, dass es für jeden Tag einer Klassenfahrt eine Ausgleichsstunde gibt.

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Die Mehrzahl der Gymnasien in Niedersachsen hat Klassenfahrten abgesagt. Sie protestieren damit vor allem dagegen, dass die Landesregierung die Unterrichtszeit für Gymnasiallehrer um eine Stunde pro Woche erhöht hat. Hier will Heiligenstadt allerdings keine Zugeständnisse machen. „Ich bin jetzt drei Schritte auf die Lehrkräfte zugegangen und erwarte, dass sie Klassenfahrten nicht mehr boykottieren, sondern sie durchführen und es wieder ein gutes Miteinander an den Schulen gibt“, so Heiligenstadt.

Diese Hoffnung hegen auch Eltern- und Schülervertreter, die gestern am Gespräch teilgenommen hatten. Der Chef des Landeselternrats, Stefan Bredehöft, appellierte an die Lehrer, den Klassenfahrtenboykott zu beenden. Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands, reagierte zurückhaltend: „Wir haben den Boykott der Klassenfahrten nicht empfohlen und wir werden das Gegenteil nicht empfehlen.“ Rüdiger Heitefaut von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht eine Chance auf Bewegung: „Wir werden den Lehrern empfehlen, jetzt auch einen deutlichen Schritt zu machen“, sagte er der HAZ. Die Arbeitszeiten müssten daneben aber weiter diskutiert werden.

Ob die Klassenfahrten wieder aufgenommen werden, entscheiden die Personalräte an den Schulen.

Kommentar von Heiko Randermann

Raus aus dem Schmollwinkel

Es sind keine großen Summen, mit denen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt aufwartet: Ein paar Euro hier, eine Ausgleichsstunde dort – Peanuts gegenüber der Verlängerung der Arbeitszeiten, über die die Lehrer so sauer waren, dass sie reihenweise Klassenfahrten gestrichen haben. Und doch sollten die Lehrer das Angebot nicht einfach so vom Tisch wischen.

Denn beim Klassenfahrtenboykott gibt es mittlerweile nur noch Verlierer: Die Schüler müssen auf eine wichtige Erfahrung im Schulleben verzichten, die Pädagogen müssen Enttäuschung und Wut der Schüler und Eltern aushalten. Und Rot-Grün hat sich das alles auch anders vorgestellt, als man Schulfrieden nach Niedersachsen bringen wollte.

Das Angebot der Kultusministerin ist klein, aber was zählt, ist das Signal: Die Landesregierung will nicht länger Härte zeigen, sondern streckt die Hand aus. Eine Chance für die Lehrer, sich ihrerseits zu bewegen, die sie ergreifen sollten. Denn auch sie müssen überlegen, wie man aus dieser verfahrenen Situation wieder herauskommt. Ewig im Schmollwinkel zu bleiben hilft niemandem – Pädagogen müssten das wissen.

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