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Niedersachsen Landhotel Gerhus in Faßberg zwangsversteigert
Nachrichten Politik Niedersachsen Landhotel Gerhus in Faßberg zwangsversteigert
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17:07 16.12.2009
Landhotel Gerhus in Faßberg.
Landhotel Gerhus in Faßberg. Quelle: ddp
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Sie will in dem Gebäude eine Werkstatt für geistig behinderte Menschen aufbauen. Vor seinem Tod hatte der Hamburger Anwalt und NPD-Funktionär Jürgen Rieger versucht, das Hotel in ein rechtes Schulungszentrum umzuwandeln. Anwohner und Faßbergs Bürgermeister reagierten erleichtert auf den Ausgang der Versteigerung.

Im Gerichtssaal erschienen am Mittwoch unter anderem zwei Anhänger der rechten Szene, sie boten aber nicht mit. Vor dem Hotel kamen rund 100 Menschen zu einer Mahnwache zusammen, um gegen eventuelle rechte Mitbieter zu demonstrieren. In der Region hatte sich bereits im Sommer ein breites Bündnis gegen die Pläne des mittlerweile verstorbenen NPD-Manns Rieger formiert, nachdem Neonazis das Landhotel zwei Wochen lang widerrechtlich in Beschlag genommen hatten. Die Besetzer mussten das Areal schließlich nach einer Gerichtsentscheidung unter Polizeiaufsicht räumen.

Rieger hatte mit den Besitzern des Landhotels einen Mietvertrag abgeschlossen, über dessen Gültigkeit vor Gericht gestritten wurde. Die jetzige Eigentümerin des Hotels, die Geschäftsführerin der APH Alten- und Pflegeheim Verwaltungs- & Service GmbH, Brigitte Friedrich, war am Mittwoch die einzige Bieterin vor dem Amtsgericht Celle. Seit rund eineinhalb Jahren habe sie Interesse an dem Anwesen gehabt, sagte Friedrich. „Das ist einfach ein schönes Grundstück und bietet sehr viele Möglichkeiten“, betonte sie. Von den Bestrebungen Riegers, das Areal zu erwerben, habe sie sich nicht abhalten lassen.

Ein wenig Angst, dass es noch Reaktionen aus der rechten Szene geben könne, habe sie schon, erzählte Friedrich. Sie lasse sich aber nicht abschrecken und hoffe auf den Rückhalt in der Gemeinde. Sie plant, schon im nächsten Herbst die ersten Menschen mit Behinderung in die Einrichtung einziehen zu lassen. „Gut zwei Drittel des Gebäudes müssen auf jeden Fall abgerissen werden“, sagte sie, „wir werden aber versuchen, den neueren Teil zu erhalten“.

Der Sohn der ehemaligen Hotelbesitzerin stellte bei der Zwangsversteigerung den Antrag auf Abweisung des Gebotes, scheiterte damit jedoch. Der Sohn habe das Gebot als zu niedrig betrachtet, sagte Amtsgerichtsdirektor Günter Busche. Nach einer entsprechenden Regelung können Gläubiger Einspruch einlegen, wenn der Versteigerungserlös eines Objektes weniger als siebzig Prozent des geschätzten Wertes beträgt. Der Antrag des Sohnes wurde abgelehnt, da der Sohn auch nicht bedacht worden wäre, wenn das Gebot über der sogenannten „Sieben-Zehntel-Regel“ gewesen wäre, erläuterte Busche. Er rechne nicht damit, dass es einen weiteren Einspruch geben werde.

Faßbergs Bürgermeister Hans Werner Schlitte (parteilos) reagierte erleichtert darauf, dass das Tauziehen um das Landhotel nun vorbei ist. „Der jahrelange Druck fällt jetzt von einem ab“, sagte er, „ich bin wirklich erleichtert.“ Er freue sich, dass die Investorin Friedrich den Zuschlag erhalten habe. Die nach den Angaben Friedrichs entstehenden 40 Arbeitsplätze seien sehr wichtig für die Gemeinde.

ddp

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