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Niedersachsen Landtag verabschiedet Soldaten der 1. Panzerdivision in den Auslandseinsatz
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20:49 14.01.2011
Von Klaus von der Brelie
Ungewohntes Bild aus dem Plenarsaal: Auf den Plätzen der Abgeordneten saßen am Freitag Soldaten in Uniform, als Verteidigungsminister zu Guttenberg sprach. Quelle: Rainer Surrey
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Niedersachsen liefert ein Beispiel für andere Bundesländer. Dafür bin ich außerordentlich dankbar.“ Solche Komplimente hören die Abgeordneten im Landtag in Hannover besonders gern – vor allem dann, wenn sie wie am Freitag von einem so prominenten und beliebten Mann kommen wie von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Vorbildlich sei die Zeremonie, mit der in Niedersachsen die Soldaten der Bundeswehr in den Auslandseinsatz verabschiedet werden, sagte der CSU-Politiker. „Das ist nichts für die Galerie und ist nicht mit der Nationalhymne beendet, sondern bietet anschließend viele Gelegenheiten, mit den Soldaten ganz persönlich ins Gespräch zu kommen.“

Guttenberg nimmt sich an diesem Tag viel Zeit für die Soldaten der 1. Panzerdivision, die in diesem Jahr die Hauptlast der deutschen Auslandseinsätze zu tragen haben – in Afghanistan genauso wie im Kosovo und in Bosnien. Er plaudert nicht nur mit ihnen, nein, er erkundigt sich nach dem Verlauf der Einsatzvorbereitung, fragt nach der Familienbetreuung, spricht die Risiken des Einsatzes an und bekommt so viele ehrliche Antworten. Den Soldaten gefällt, wie zu Guttenberg auf sie zukommt, auch wenn die meisten zum ersten Mal in ihrem Leben einem Verteidigungsminister von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und ein bisschen nervös wirken.

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250 Soldaten sind an diesem Tag ins Leineschloss gekommen, stellvertretend für alle, die in diesem Jahr an den Auslandseinsätzen der Bundeswehr beteiligt sind. Bis auf die Linken, die, wie sie auf einem von der Polizei konfiszierten Spruchband ausdrücken, lieber „Friedenstauben statt Soldaten nach Afghanistan“ schicken möchten, nehmen alle Fraktionen an der Veranstaltung teil. Im Plenarsaal und beim anschließenden Empfang in der Lobby ist von Parteipolitik nichts zu spüren.

Landtagspräsident Hermann Dinkla, der Gastgeber, macht gern darauf aufmerksam, dass sich Niedersachsen den Soldaten besonders eng verbunden fühlt. Und genau dies solle durch den Abschiedsempfang, den es an diesem Tag schon zum fünften Mal gibt, deutlich unterstrichen werden. Dinkla kündigt an, die Soldaten in Afghanistan persönlich zu besuchen und demnächst auch die zivilen Aufbauhelfer zu einem Empfang ins Leineschloss einzuladen. Als Souvenir verschenkt der Landtag Kaffeebecher mit dem Landeswappen an die uniformierten Gäste. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Weil überreicht ein Ortseingangsschild der Landeshauptstadt, das demnächst in Masar-i-Scharif an die sieben Flugstunden entfernte Heimat erinnern wird, Generalmajor Markus Kneip, der Divisionskommandeur, der sich für ein ganzes Jahr an den Hindukusch abmeldet, erhält gleich zwei Landesflaggen, eine von Dinkla, die zweite vom Ministerpräsidenten.

David McAllister, der sich nur kurz zu Wort meldet, spricht vielen Soldaten aus der Seele, als er die Politiker daran erinnert, dass sie es sind, die die Bundeswehr in die Auslandsmissionen schicken: „Wir müssen den Sinn und die Notwendigkeit immer wieder erklären und begründen.“ Die Soldaten seien keineswegs in der Pflicht, sich gegenüber der Öffentlichkeit „für die angeordneten Auslandseinsätze zu rechtfertigen“.

Als der Verteidigungsminister ans Rednerpult tritt, ist es mucksmäuschenstill im Saal und auf den vollbesetzten Tribünen. Guttenberg redet ohne Umschweife. Der Einsatz sei gefährlich, manchmal auch sehr gefährlich, wie sich im vergangenen Jahr wiederholt gezeigt habe. Er spricht von einem Krieg, in dem gekämpft werde und in dem die Soldaten auch schießen müssten. Er habe sich jedenfalls vorgenommen, der Bevölkerung die Realität in Afghanistan zu vermitteln. „Von Weichzeichnen halte ich nichts.“

Guttenberg räumt ein, dass die Reform der Bundeswehr viele Soldaten verunsichere. Deshalb verspricht er, sie auch während der Zeit im Ausland ständig zu informieren und die Veränderungen „transparent“ vorzunehmen.
Auch wenn niemand den Soldaten die Angst vor dem Einsatz am Hindukusch nehmen kann, stellt sich am Ende des Appells eine spürbare Zufriedenheit ein. Landtag und Landesregierung haben den Soldaten den Rücken gestärkt, der Minister hat – wieder einmal – den Soldaten den Puls gefühlt und der Divisionskommandeur eine gute Gelegenheit genutzt, den Männern und Frauen zu erläutern, „warum sie sich für den Auftrag nicht schämen müssen“ und dass sie im Einsatz nicht nur einander achten, sondern auch den internationalen Partnern und den Einheimischen jederzeit mit Respekt begegnen sollten.

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