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Niedersachsen Landtag will eine
 neue Postanschrift
Nachrichten Politik Niedersachsen Landtag will eine
 neue Postanschrift
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22:14 04.12.2013
Von Klaus Wallbaum
Im Landtag rücken die Fraktionen von Hinrich Wilhelm Kopf ab und denken über eine neue Postadresse nach. Quelle: Michael Thomas (Archiv)
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Hannover

Am Mittwoch hat der Ältestenrat des Parlaments einstimmig entschieden, auf eine Änderung des Namens für diesen Ort hinzuwirken. Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) wurde beauftragt, darüber mit dem zuständigen Stadtbezirksrat Hannover-Mitte zu sprechen.

Seit wenigen Monaten liegt eine neue Untersuchung über Kopf vor, die seine Rolle in der NS-Zeit kritisch beleuchtet. Darin wird ihm vorgeworfen, von der Enteignung jüdischer und polnischer Bürger profitiert und dies nach 1945 wider besseres Wissen vor dem Landtag bestritten zu haben. Die Historische Kommission hatte in einem Gutachten jedoch geraten, an den Namen von Plätzen, Straßen und Institutionen festzuhalten und eine „kritische Auseinandersetzung mit Kopfs Leben und Wirken“ zu beginnen.

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Der Vertreter der Historischen Kommission musste sich gestern im Ältestenrat allerdings scharfe Kritik von Politikern anhören. Mittlerweile häufen sich zudem Forderungen, wenigstens den Platz vor dem Landtag neu zu betiteln. Die SPD tue sich schwer mit der Landtagsadresse Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 1, erklärte die SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder. Die Grünen-Fraktionschefin Anja Piel erklärte, ihre Fraktion sei für die Umbenennung und wünsche sich „eine neue Namensgeberin, die für die Auseinandersetzung mit der Geschichte steht“.

CDU wünscht sich einen
„Platz der Niedersachsen

Eine andere Möglichkeit wäre allerdings auch, dass der Landtag sich nicht nach dem Platz benennt, sondern eben nach der davor verlaufenden Straße. Dann könnte es in Zukunft heißen: Niedersächsischer Landtag, Leinstraße 1, 30159 Hannover.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Björn Thümler erklärte gestern, die Ratschläge der Historischen Kommission seien „traurig“, weil sie keine klare Meinung erkennen ließen. Man könne nicht Kopfs Tätigkeit vor 1945 mit seinen Leistungen für die Demokratie nach 1945 entschuldigen. Kopf habe 1948 den Landtag belogen und könne daher nicht mehr Namensgeber des Platzes vor dem Landtag sein, den Thümler gern in „Platz der Niedersachsen“ umtaufen würde. Thümler plädierte auch dafür, die nach dem früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg benannten Straßen zu überprüfen. Es gebe Hinweise darauf, dass ohne Hindenburg als Oberbefehlshaber der Erste Weltkrieg womöglich früher hätte beendet werden können. Landesweit gibt es zwölf Städte und Gemeinden, in denen Straßen oder Plätze nach Kopf benannt sind, außerdem vier Schulen.

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