Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Landtag will weniger Mikroplastik
Nachrichten Politik Niedersachsen Landtag will weniger Mikroplastik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:54 05.06.2015
Von Heiko Randermann
Großer Filter für kleine Teile: In Oldenburg läuft eine der ersten Kläranlagen, die Mikroplastik aus dem Abwasser filtern kann.
Großer Filter für kleine Teile: In Oldenburg läuft eine der ersten Kläranlagen, die Mikroplastik aus dem Abwasser filtern kann. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Weil sie so klein sind, können sie von den meisten Kläranlagen nicht herausgefiltert werden, sodass sie nach einer Reise durch die Flüsse schließlich im Meer landen, von Fischen gefressen werden – und damit wieder auf unserem Teller landen. Umweltverbände warnen vor diesem Kreislauf, auch im niedersächsischen Landtag will eine breite Mehrheit die unsichtbare Gefahr der Mini-Plastikkrümel eindämmen. Doch das ist nicht so einfach.

Plastikmüll ist längst zu einem globalen Problem geworden. Drei Viertel des Mülls in den Meeren bestehen aus Plastik, laut der Naturschutzorganisation BUND kommen jährlich sechs Millionen Tonnen dazu. Bis Plastik komplett zerfallen ist, kann es laut WWF bis zu 400 Jahre dauern. Bis dahin werden Plastikstücke einfach immer kleiner, zerrieben von Sand, Sonne und Wasser. „Wenn wir heute barfuß einen Strand entlang-laufen, haben wir neben den Sandkörnern meist auch viele feine Plastikteilchen unter den Füßen“, schreibt der Naturschutzverband. Dazu kommen die schon als Mikroplastikteilchen angefertigten Bestandteile von Shampoos und Gels.

„Diese Teilchen sind so klein, dass sie von fast allen Tieren aufgenommen werden können“, warnt Nadja Ziebarth, Meeresexpertin des BUND, der auf seiner Webseite einen Einkaufsberater zu mikroplastikhaltigen Produkten anbietet. Im Magen von Fischen könne man die Plastikteilchen mittlerweile regelmäßig nachweisen. Plastik sei dabei besonders gefährlich, weil es auf seinem Weg durch das Wasser verstärkt Schadstoffe wie Blei oder Arsen aufsauge.

Plastikteilchen würden oft 100-mal mehr Schadstoffe aufweisen als das sie umgebende Wasser, sagte CDU-Umweltexperte Martin Bäumer gestern im Landtag. Für ihn gibt es bei der Produktion der Pflegeprodukte nur eine logische Konsequenz: „Ich bin dafür, dass Mikroplastik verboten wird“, sagte der Abgeordnete. Es gebe ausreichend Alternativen, die aber von der Industrie nicht eingesetzt würden, weil der Druck nicht hoch genug sei.

Mit dieser Forderung zeigt sich die CDU forscher als SPD und Grüne, die in einem Antrag lediglich die Vermeidung von Mikroplastikmüll anstreben. Der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus beeilte sich zu erklären, dass das in der Konsequenz dasselbe sei. „Ob man in einem Antrag vermeiden oder verbieten schreibt, das ist doch reine Geschmacksfrage“, so Bajus.

„Inhaltlich sind wir nah beieinander“, sagte Sigrid Rakow (SPD). Doch man müsse neben dem Duschgel auch den großen Plastikmüll in den Blick nehmen. Bajus sagte, der Antrag von SPD und Grünen, der bereits im August 2014 auf den Weg gebracht worden sei, fordere deshalb auch, Programme wie Fishing for Litter (Nach Müll fischen) weiterzuführen.

Gero Hocker (FDP) sagte, bei dem Thema sollte mehr auf freiwillige Verpflichtungen anstatt auf Verbote gesetzt werden. Das Problem sei komplex, meinte dagegen Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne): „Wir können als Landtag nicht von heute auf morgen Plastikprodukte verbieten.“ Lob gibt es immerhin von der BUND-Expertin Nadja Ziebarth: Wenn sich das Küsten-Bundesland Niedersachsen eindeutig gegen Mikroplastik positioniere, sei das „ein sehr positiver Impuls“.

Niedersachsen Rückschlag für Justizministerium - Gericht kippt Personalentscheidung
Heiko Randermann 10.06.2015
Heiko Randermann 05.06.2015
Michael B. Berger 04.06.2015