Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Lauge sickert in Salzstock Gorleben
Nachrichten Politik Niedersachsen Lauge sickert in Salzstock Gorleben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:51 08.03.2009
Salzstock Gorleben Quelle: Roland Magunia/ddp
Anzeige

Obwohl das Gorlebener Bergwerk stets als trocken bezeichnet werde, seien dort mindestens 160 000 Liter Lauge zugeflossen, sagte Ausschussvorsitzende und Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Der Umweltausschuss fordere eine vollständige Liste und Analyse aller Laugenzuflüsse seit Beginn der Erkundung des Salzstocks.

Der in Bremen erscheinende „Weser Kurier“ hatte in seiner Samstagausgabe berichtet, dass es auch in Gorleben Laugenzuflüsse gibt. Das Blatt berief sich dabei auf Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz und des niedersächsischen Umweltministeriums. Das Ministerium betonte jedoch, die Zuflüsse seien nicht mit denen in der Schachtanlage Asse vergleichbar. In Gorleben dringe das Wasser nicht von außen ein, es handele sich vielmehr um Millionen Jahre alte Laugen fossiler Art.

Anzeige

Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg erklärte dagegen, das Abteufen der beiden Schächte im Gorlebener Erkundungsbergwerk sei bis Mitte der 1990er Jahre „von permanenten Laugenzuflüssen geprägt“ gewesen. Die Bauarbeiten hätten in rund 320 Meter Tiefe wiederholt unterbrochen werden müssen, „weil der Schacht nass war“.

Im Atommülllager Asse seien die Laugenzuflüsse „der Anfang vom Ende“ gewesen, sagte Grünen-Politiker Wenzel. „Wir müssen aus den Fehlern lernen, die in der Asse gemacht wurden. Die Parallelen zwischen beiden Salzstöcken müssten nun benannt und aufgearbeitet werden. „Schließlich war die Asse ein Prototyp für Gorleben“, erklärte der Grünen-Politiker.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ diente das einsturzgefährdete Atommülllager Asse II der Energiewirtschaft offenbar bis in die 1980er Jahre hinein als Entsorgungsnachweis für radioaktiven Müll. Das ergebe sich aus atomrechtlichen Genehmigungen, die das Bundesumweltministerium jetzt auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) vorlegte. Außerdem galt das Bergwerk im niedersächsischen Remlingen demnach intern als „Versuchsanlage für Gorleben“. Für Kotting-Uhl war Asse II „von Anfang an ein deklariertes Endlager“. Zudem seien die Behauptungen von CDU und SPD widerlegt, es gebe keine Verbindung der Asse zum Salzstock Gorleben.

Gorleben ist ein möglicher Standort für ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Der Salzstock wird bereits seit Ende der 1970er Jahre auf seine Tauglichkeit untersucht. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten unterbrochen, das Moratorium gilt für höchstens zehn Jahre. Während die Energiewirtschaft, Union und FDP auf eine Fortsetzung der Arbeiten drängen, wollen SPD und Grüne auch andere Standorte prüfen lassen.

ddp