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Niedersachsen Laugenzutritt in der Asse über Nacht gestiegen
Nachrichten Politik Niedersachsen Laugenzutritt in der Asse über Nacht gestiegen
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18:19 18.09.2009
Im Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel ist der Wasserzufluss über Nacht gestiegen. Quelle: ddp
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„Nach derzeitiger Einschätzung hat die Erhöhung keine sicherheitstechnischen Auswirkungen“, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter am Freitag.

Unterdessen gibt es Medienberichte, nach denen auch die Asche von menschlichen Leichenteilen in der Grube liegen könnte. Eine Bestätigung dafür gibt es aber bisher von keiner Seite. Die Asche soll von zwei Arbeitern stammen, die 1975 im Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern tödlich verunglückt waren. Der BfS-Sprecher sagte: „Wir gehen der Sache nach.“

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Der Laugenzutritt aus dem Deckgebirge in die Schachtanlage ist seit langem ein Sicherheitsproblem für die instabile Grube. Fachleute gehen davon aus, dass die Sicherheit des Atommülllagers bis 2020 gegeben ist - allerdings nur, wenn der Wassereinbruch nicht größer wird.

Am Freitagmorgen in der Schachtanlage in 658 Metern Tiefe für die vergangenen 24 Stunden rund 11,4 Kubikmeter Wasserzufluss gemessen, teilte das BfS mit und bestätigte Medienberichte. Das sei eine Erhöhung von rund einem Kubikmeter im Vergleich zum Vortag. Ähnliche Mengen hatten die Beschäftigten laut Betreiber auch schon 2003 gemessen. Nach Einschätzung der Fachleute ist ein Zufluss von 500 Kubikmetern Wasser täglich die Menge, die gerade noch beherrschbar ist.

Die Experten müssen den weiteren Laugenzufluss nun genau beobachten. Schwankungen könnten aber immer wieder auftreten, hieß es beim BfS. Nach den Messungen am Freitagmorgen hieß es am Nachmittag dann, der Zufluss sei stabil und habe sich seitdem nicht weiter erhöht.

Seit 1988 fließen täglich rund zwölf Kubikmeter Salzlauge - 12 000 Liter - in das Atommülllager. Die Lösung wird in Speicherbecken gesammelt und teils in das ehemalige Salzbergwerk Mariaglück (Kreis Celle) gebracht. In der Asse liegen nach offiziellen Angaben rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall.

Die „Braunschweiger Zeitung“ und die Online-Ausgabe der Zeitschrift „Stern“ berichteten unterdessen, dass auch Asche von menschlichen Leichenteilen dort lagern könnte. Die Asche soll von zwei Schlossermeistern stammen, die im November 1975 bei einem Unfall im Atomkraftwerk in Gundremmingen in Bayern tödliche Verbrühungen erlitten hatten. Leichenteile seien damals auf Radioaktivität überprüft und im Kernforschungszentrum Karlsruhe verbrannt worden, berichtete „stern.de“. Die Asche aus dieser Anlage soll dann in die Asse gekommen sein.

Das Helmholtz Zentrums München, früherer Betreiber der Asse, konnte dazu bislang keine Angaben machen. Die niedersächsische SPD-Landtagsfraktion will zur Aufklärung der Vermutungen den damaligen ermittelnden Staatsanwalt aus München im Untersuchungsausschuss in Hannover befragen. Die Grünen-Fraktion beantragte eine Sondersitzung des Umweltausschusses zur Asse in der kommenden Woche.

Zudem hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Freitag weitere Akten an den Asse-Untersuchungsausschuss geschickt. Zuvor hatte es Streit mit CDU und FDP im niedersächsischen Landtag gegeben. Sie warfen Gabriel (SPD) vor, dem Untersuchungsausschuss Informationen vorzuenthalten, weil er Presseartikel aus Akten entfernen ließ. Daraus soll hervorgehen, dass der damalige Landtagsabgeordnete Gabriel 1993 gefordert habe, die Asse-Forschungen mit Giftmüll auszubauen. Am Freitag teilte das Umweltministerium in Berlin mit, die Unterlagen seien auf dem Weg nach Hannover. Es sei absurd, Gabriel Geheimhaltung vorzuwerfen.

lni

18.09.2009
Klaus Wallbaum 17.09.2009