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Niedersachsen Lehrer drücken aufs Tempo
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15:44 19.02.2014
Das Abitur nach acht Jahren ist in Niedersachsen am Ende. Quelle: dpa
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Hannover

„Die Tür zu G 9 steht offen“, hatte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag unserer Zeitung gesagt. Man wolle weg vom „Dauerstress“ vor allem in den Jahrgängen 7 bis 9. Empfehlungen hat eine Expertenkommission ausgearbeitet. Sie sieht verschiedene Varianten vor - darunter auch eine Wahlmöglichkeit.

Regierungschef Stephan Weil kündigte jetzt Detailplanungen an: "Man muss jetzt darüber sprechen, welches die notwendigen Details und die notwendigen Regelungen sind, die man braucht, um ein besonders gutes Konzept zu haben, das dann nicht innerhalb weniger Jahre wieder repariert werden muss", sagte er. "Wir möchten gerne, dass die Gymnasien auf Dauer gute Perspektiven in Niedersachsen haben."

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Beifall kam vom Philologenverband und dem Industrieverband Niedersachsenmetall, Kritik dagegen vom Arbeitgeberverband ChemieNord. Er befürchtet durch eine "drohende weitere Zerfaserung des Schulbereichs" eine Verstärkung des Fachkräftemangels.

Philologen drücken aufs Tempo

Der Lehrerverband fordert in seiner Erklärung, noch mit Beginn des neuen Schuljahres am 11. September für die jetzigen Jahrgänge 5 bis 7 zum G 9-System zurückzukehren: "Wenn man erkannt hat, dass G8 falsch und für die Schüler schädlich ist, macht es keinen Sinn, Zehntausende von Schülern nach diesem System weiterlernen zu lassen." Verbandschef Horst Audritz verwies in dem Zusammenhang zudem auf die Oberschulen mit gymnasialem Zweig, die bei einer Verzögerung der Umstellung erst aufs übernächste Schuljahr mit nur einem Jahrgang in ein auslaufendes System einsteigen müssten. Auch der Verband Bildung und Erziehung begrüßt die Tendenz.

Die Expertengruppe muss bis Ende März ihre Vorschläge präsentieren, danach wird das Gutachten einem Dialogforum zugeleitet, und die politische Debatte kann beginnen. Im Herbst soll ein Gesetzentwurf mit Änderungen für die Schulgesetz-Novelle auf den Weg gebracht werden, die zum 1. August 2015 in Kraft treten würde.

Die Opposition aus CDU und FDP befürwortet zwar ebenfalls eine Rückkehr zum G9-Abitur, kritisierte aber die Umstände der Änderungen. Der CDU-Bildungsexperte Kai Seefried sprach von einem "Chaos in der Bildungspolitik" und meinte: "Schüler, Eltern und Lehrer wissen auch heute nicht, was auf sie zukommt." Das Ganze sei zudem zugunsten der Gesamtschule eine Kampfansage an alle Schulformen in Niedersachsen. Ähnlich äußerte sich auch der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling, der von einem rot-grünen "Schlingerkurs" sprach.

dpa/rah

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