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Niedersachsen Lehrer in Niedersachsen sind immer häufiger krank
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00:15 26.05.2013
Von Klaus Wallbaum
Jeder niedersächsische Lehrer fehlte im Schnitt 10,1 Tage. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

 Tatsächlich aber sei er gestiegen, stellte die Prüfbehörde nach eigenen Recherchen fest. Die Schulleitungen würden allzuoft mit ihren Problemen alleingelassen. Der interne Bericht des Rechnungshofes liegt der HAZ vor.

Die Prüfer bemängeln das Fehlen einer aktuellen Statistik über den Krankenstand der Lehrer. Letzmalig seien die Daten 2001 erhoben worden. Damals fehlte jeder Lehrer im Schnitt 9,3 Tage. Gemessen an den rund 195 Arbeitstagen der Lehrer im Jahr war das eine Quote von 4,7 Prozent.
Zum Vergleich hat der Rechnungshof 2011 die Gesamtschulen mit ihren rund 10 000 Lehrern befragt, die für den Krankenstand als repräsentativ gelten. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass jeder Lehrer im Schnitt 10,1 Tage fehlte, die Quote stieg also auf 5,2 Prozent. Dies geschah trotz des 2001 von der damaligen Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD) gegebenen und vom Nachfolger Bernd Busemann (CDU) wiederholten Versprechens, den Krankenstand mit gezielter Gesundheitsvorsorge „deutlich senken“ zu wollen.

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Die Frühpensionierungen der Lehrer sind zwar zurückgegangen – Ursache dafür sind unter anderem die verschlechterten finanziellen Bedingungen für jene, die vorzeitig aus dem Dienst ausscheiden. Daneben aber sei das Ziel des Ministeriums, den „leistungsfördernden Wohlfühlfaktor“ an den Schulen zu steigern, nicht aufgegangen. Die Vorgabe, dafür die psychosozialen Arbeitsbedingungen einzuschätzen, sei nur von zwei der vom Rechnungshof untersuchten 15 Gesamtschulen erfüllt worden. Tatsächlich sei aber der Krankenstand an Schulen, deren Klima in der Befragung als „belastet“ eingestuft wurde, höher als an anderen Schulen. Auch sei ein „problematisches Schülerverhalten“ ein wesentlicher Belastungsfaktor für die Lehrer. Oft würden Pädagogen beleidigt oder aggressiv angegangen.

Der Rechnungshof beziffert die Kosten wegen der Krankheitstage der Lehrer auf insgesamt mehr als 260 Millionen Euro im Jahr. Angesichts dieser hohen Summe sei es „nicht hinnehmbar“, dass viele Schulen das Beratungsangebot des Ministeriums für Lehrer nicht in Anspruch nähmen.
Die Prüfbehörde rät zudem, junge Lehrer vor Überforderung zu schützen. Oft erlebten diese in der Schule einen regelrechten „Praxisschock“, weil sie in ihrer Ausbildung nicht genügend auf den oft harten Schulalltag vorbereitet würden.

Juliane Kaune 23.05.2013
Karl Doeleke 20.05.2013