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Niedersachsen Lehrer sollen weniger für Klassenfahrten zahlen
Nachrichten Politik Niedersachsen Lehrer sollen weniger für Klassenfahrten zahlen
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21:35 16.04.2015
Von Saskia Döhner
Bittet Bildungsverbände zum Gespräch: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.
Bittet Bildungsverbände zum Gespräch: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hat Lehrer-, Eltern- und Schülerverbände für Freitag zu einem Gipfelgespräch eingeladen, um endlich eine Lösung in der leidigen Frage des Klassenfahrtenboykotts zu finden.

Seit die rot-grüne Landesregierung die Unterrichtsverpflichtung für Pädagogen an Gymnasien im August 2014 von 23,5 auf 24,5 Stunden in der Woche erhöht und die ursprünglich zugesagte Altersermäßigung für Lehrer ab 55 Jahren an allen Schulformen erst mal auf Eis gelegt hat, gibt es an drei Viertel der Gymnasien im Land keine Klassenfahrten mehr. Die Lehrer haben auch andere freiwillige Leistungen wie Konzert- oder Theaterbesuche gestrichen. Das interne Klima an den Schulen hat das nicht verbessert.

Schüler haben ihrerseits damit gedroht, freiwillige Leistungen wie das Tafelputzen einzustellen. Tausende Schüler haben auf mehreren landesweiten Demonstrationen ein Ende des Boykotts gefordert. Auch bei den Eltern wird der Ruf nach einer Lösung des Konflikts immer lauter.

Die Landesregierung beharrt allerdings darauf, dass die Beschlüsse zur Mehrarbeit und Altersermäßigung nicht zurückgenommen werden. Die Personalräte der Gymnasien wiederum haben jüngst beschlossen, bis 2018 keine Klassenfahrten zu unternehmen, sollte sich das Land nicht bewegen. Eine andere Möglichkeit des Protests gebe es nicht, sagt beispielsweise Hans-Jörg Rümelin, Personalrat an der Bismarckschule Hannover.

Wenn sich Bildungsverbände und Ministerin Freitag treffen, sitzen die Personalräte, die den Boykott losgetreten haben, aber nicht mit am Tisch, sondern nur die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Philologenverband, die dem Protest der Basis und dem Klassenfahrtenboykott anfangs eher skeptisch gegenüberstanden.

In dem heutigen Gespräch im Ministerium geht es konkret um den Erlass, also um Bedingungen, unter denen Klassenfahrten gemacht werden. Lehrer beklagen seit Langem eine zu geringe Kostenerstattung und zu wenige Ausgleichsstunden. Bislang gibt es pro Tag pauschal 11 Euro erstattet, bei einer Übernachtung sind es 16,50 Euro. Eine Einzelübernachtung in einer Jugendherberge aber kostet im Schnitt schon 27 Euro. Pro Klassenfahrtstag gibt es eine Ausgleichsstunde, maximal vier in der Woche. Freifahrten dürfen verbeamtete Lehrer nicht annehmen, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, dass sie bestechlich wären. Es ist auch nicht zulässig, die Freifahrt auf alle Schüler umzulegen.

Dem Vernehmen nach soll der neue Erlass, der auch schon anderthalb Jahre überfällig ist, deutlich bessere Konditionen für Lehrer enthalten. Dies hatten zuletzt auch Parteien wie FDP und Grüne gefordert.

Ob bessere Bedingungen aber tatsächlich dazu führen, dass die Gymnasiallehrer auch wieder Klassenfahrten zulassen, bleibt offen. Eines dürfte der Erlass nicht beinhalten: die Pflicht zu Klassenfahrten für alle Lehrer. Denn das wäre für das Land viel zu teuer.

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