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Niedersachsen Noch immer fehlen Tausende Lehrer an Grundschulen
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10:45 09.04.2018
Längere Schultage und mehr Kinder mit Förderbedarf führen zu einem erhöhrten Lehrerbedarf an den Grundschulen. Das Land rechnet trotzdem damit, dass die Unterrichtsversorgung im nächsten Schuljahr bei 103 Prozent liegen wird. Quelle: dpa
Hannover

 Durch den Ausbau der Ganztagsschulen, den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung und Sprachförderung für Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse brauchen die Grundschulen in Niedersachsen immer mehr Lehrer. Zwischen 2013 und 2017 ist die Zahl der zusätzlich benötigten Stunden laut Kultusministerium um insgesamt rund 50.000 gestiegen, umgerechnet sind dies etwa 2200 Lehrerstellen. Unglücklicherweise sei der Mehrbedarf mit einer Bewerbungsdelle durch die Verlängerung der Ausbildung für Grundschullehrer zusammengefallen, sagte der Vertreter des Ministeriums am Freitag bei einer Unterrichtung im Kultusausschuss des Landtages. Man habe mit Quereinsteigern und abgeordneten Lehrkräften von Gymnasien die Lücke stopfen müssen. Mittlerweile sei die Talsohle aber durchschritten.

An den Grundschulen gibt es wieder mehr Bewerber auf freie Lehrerstellen

Für das nächste Schuljahr rechnet auch Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit einer deutlich besseren Unterrichtsversorgung an den Grundschulen.  Zum einen würden voraussichtlich rund 1.000 neue Lehrkräfte mit einem Lehramt für Grund-, Haupt und Realschulen für eine Einstellung in den niedersächsischen Schuldienst zur Verfügung stehen. Schon jetzt lägen rund 420 Bewerbungen von reinen Grundschullehrkräften vor, davon hätten 388 einen Abschluss in einem niedersächsischen Studienseminar gemacht. Zum letzten Einstellungstermin im Februar 2018 sind es lediglich rund 60 gewesen. Zudem werde sich die geplante Übertragung der vorschulischen Sprachförderung im Umfang von 14.000 Stunden auf die Kindertagesstätten positiv auswirken und die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen auf ein hohes Niveau von mehr als 100 Prozent bringen. Langfristig solle an allen Schulformen eine Versorgung von rund 100 Prozent erreicht werden. 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht die Lage weit weniger optimistisch. Landesvorsitzende Laura Pooth sagt: „Nur wenn die Landesregierung die Besoldung der Grundschullehrkräfte endlich auf A 13 anhebt und spürbare Entlastungen umsetzt, wird Niedersachsen mit anderen Bundesländern in der Konkurrenz um Lehrkräfte mithalten können“. 

Wirrwarr um die vorschulische Sprachförderung befürchtet

Keine Aussage machte der Ministeriumsvertreter im Ausschuss dazu, ob denn auch die Reform des Kita-Gesetzes bis Anfang August abgeschlossen sein wird. Das ist die Voraussetzung, damit die Kindergärten die vorschulische Sprachförderung tatsächlich auch praktisch übernehmen können. Kommunalverbände und Oppositionspolitiker befürchten ein Chaos, wenn die Aufgabe zwischen Kindergärten und Schulen hin und her geschoben wird und keine Erfolgskontrolle stattfindet. Zumindest die Kinder, die im Sommer 2019 eingeschult werden, könnten am Ende ganz ohne Sprachförderung dastehen, heißt es. 

Zum 2. Halbjahr 2017/2018 seien insgesamt 333 Lehrer mehr eingestellt worden, als durch Pensionierung, Tod oder anderen Gründen aus dem Dienst ausgeschieden seien, sagte der Ministeriumsvertreter im Ausschuss. Für Grundschulen seien 300 Stellen ausgeschrieben gewesen, besetzt werden konnten 263, darunter 40 Quereinsteiger. Insgesamt seien in diesem Schuljahr 110 Grundschullehrerstellen an Quereinsteiger gegangen.

Wie viele Lehrer fehlen in Niedersachsen?

Ohne die Zusatzbedarfe für Ganztagsausbau, Inklusion und Sprachförderung für Flüchtlingskinder hätte es wohl keinen Lehrermangel gegeben. Wie der Ministeriumsvertreter sagte, sahen Prognosen der Kulutsministerkonferenz noch 2015 für die westdeutschen Länder ein Bewerberüberangebot von rund 38 Prozent vor, während in Ostdeutschland rund 27 Prozent fehlten. 

Die Frage von Julia Willie Hamburg (Grüne), ob man für 2020 oder 2025 eine Lehrerlücke sehe, konnte der Mitarbeiter des Ministeriums nicht konkret beantworten. Er verwies nur darauf, dass das Land für das Jahr 2025 mit 825.500 Schülern rechne, während die Bertelmann-Stiftung nur von 800.000 Schülern ausgehe. Die Bildungsexperten hatten Ende Januar eine Studie herausgegeben, wonach bundesweit bis 2025 rund 35.000 Lehrer an Grundschulen fehlen würden. Schlüsse für Niedersachsen könne man daraus nicht ziehen, sagte der Ministeriumsvertreter.

Von Saskia Döhner

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