Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Lindemann setzt bei Antibiotika auf Beratung
Nachrichten Politik Niedersachsen Lindemann setzt bei Antibiotika auf Beratung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:51 01.10.2012
Von Michael B. Berger
Keine Kultur des Misstrauens: Minister Gert Lindemannsetzt auf Freiwilligkeit. Quelle: dpa
Hannover

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) will den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung „messbar verringern“. Der Minister will dies allerdings ohne Sanktionen oder Strafen erreichen, sondern durch gezielte Beratung und Überwachung. „Die Tiere so zu halten, dass sie gar nicht erst erkranken und Antibiotika brauchen, das muss unser Hauptziel sein“, sagte Lindemann. Am Montag stellte er seine Pläne vor, wie man den Einsatz von Antibiotika in den Ställen kontinuierlich herunterfahren könne.

Nach neuesten Erkenntnissen seien im vergangenen Jahr 1734 Tonnen Antibiotika in Deutschland in der Tiermast eingesetzt worden - „rechnerisch 0,2 Gramm pro Kilogramm Fleisch“, sagte Lindemann. Dies entspreche dem Wert von Frankreich. Frühere Schätzungen seien davon ausgegangen, dass die verabreichte Antibiotikamenge kleiner sei - 784 Tonnen. Dank einer neuen Datenbank sei man jedoch zu präziseren Erkenntnissen gekommen, erläuterte der Minister. Er betonte, dass die Antibiotika „grundsätzlich ordnungsgemäß“ eingesetzt worden seien - also nicht prophylaktisch, sondern im Zusammenhang mit erkrankten Tieren. Nach Aussagen von Wissenschaftlern der Tierärztlichen Hochschule Hannover reiche es nicht aus, allein die ordnungsgemäße Verabreichung der Medikamente in den Fokus zu nehmen. „Wir müssen alles tun, damit Antibiotika gar nicht erst zum Einsatz kommen.“ Dies gelinge am besten in einem engen Zusammenspiel zwischen Tierärzten und Viehhaltern, zumal es bei der legalen Verabreichung von Antibiotika keine Sanktions- oder Strafmöglichkeiten gebe. Gegen schlechte Tierhaltung könne man mit dem Tierschutzgesetz vorgehen: „Da haben wir Sanktionsmöglichkeiten.“

So will Niedersachsen in Kürze damit beginnen, systematisch die eingesetzten Antibiotikamengen zu erfassen, die bislang in Bestandsbüchern der Landwirte registriert sind. Künftig müssten Landwirte ihre Antibiotikaeinsätze melden, etwa in einer bundeseinheitlichen Datenbank, auf die sich die Verbraucherschutzminister vor zwei Wochen verständigt hätten. Dann sollen Kennzahlen ermittelt werden. Landwirte mit einem überdurchschnittlich hohen Verbrauch sollten besucht und beraten werden. Nach Lindemanns Worten haben bereits 2000 der 15000 Tierhalter in Niedersachsen von den Beratungsangeboten der Experten Gebrauch gemacht. „Ich halte gar nichts davon generell eine neue Misstrauenskultur zwischen Tierarzt und Landwirt aufzubauen“, sagte der Minister. Durch gezielte Beratung sei aber vieles machbar, auch eine Halbierung der Antibiotikamenge.

Der Grüne Agrarpolitiker Christian Meyer verwarf am Montag Lindemanns Plan als „harm- und wirkungslos“. „Solange Niedersachsen keine Zielgrößen festlegt, bleibt der Einsatz von Antibiotika weiterhin das Schmiermittel der industriellen Massentierhaltung.“ Die schwarz-gelbe Landesregierung wolle an der Massentierhaltung nichts ändern und betreibe lediglich „Anscheinserweckung“. Nur wer für eine tiergerechte Haltung eintrete, könne das „Wachstumsdoping“ unterbinden.

Eine Ampel-Koalition ist für den SPD-Spitzenkandidaten für die niedersächsische Landtagswahl, Stephan Weil, derzeit kein Thema: „Das sieht sowohl im Bund, als auch in Niedersachsen ziemlich düster aus."

30.09.2012

In die stockenden Verhandlungen über einen Neustart bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager könnte Bewegung kommen. Mitte Oktober will Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Ministerpräsidenten der Länder und Vertreter der Bundestagsfraktionen zu einem Spitzengespräch einladen.

29.09.2012

Hat sie als Bundesumweltministerin von 1994 bis 1998 politischen Einfluss auf die Entscheidung für Gorleben als Endlager für Strahlenmüll genommen? Hat sie dabei den Rat von Wissenschaftlern ignoriert? Am Donnerstag musste Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Gorleben-Untersuchungsausschuss aussagen.

28.09.2012