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Niedersachsen Nachkriegsgeschichte(n) mit Gerhard Schröder und Manfred Bissinger
Nachrichten Politik Niedersachsen

Literarischer Salon: Nachkriegsgeschichte(n)  mit Gerhard Schröder und Manfred Bissinger

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17:58 22.10.2019
Gerhard Schröder und Manfred Bissinger im Literarischen Salon. Quelle: Rafale Heygster
Hannover

Manchmal erfährt sogar Manfred Bissinger, der einstige Starjournalist, etwas Neues von seinem alten Freund Gerhard Schröder. Etwa, wenn dieser im Literarischen Salon der Universität Hannover erzählt, warum er partout Jurist werden wollte. Weil er bereits als 14-Jähriger für seine (arme) Mutter Schriftsätze verfasst habe, wenn diese sich von einem „fahrenden Vertreter“ eine Schreibmaschine habe andrehen lassen. Obwohl sie das Gerät weder brauchen noch bezahlen konnte.

Schlachten zwischen Links und Rechts

Mehr als 600 Zuhörerinnen und Zuhörer, die meisten gesetzten Alters, haben im Audimax ein kleines Stück Nachkriegsgeschichte erleben dürfen, präsentiert von zwei Männern, die zur selben Alterskohorte gehören und die gemeinsame Erlebnisse in Politik, Kunst und Kultur schon früh zusammengeführt haben. Anlass für die Einladung der beiden in den Literarischen Salon ist eine neue Biografie über Manfred Bissinger, die den Titel „Der Meinungsmacher“ trägt. Die beiden Autoren Miriam Bernhardt und Hermann Schmidt sind auch anwesend und tragen einige Passagen aus dem Band vor. Doch dass der Abend ein amüsanter wird, liegt vor allem an den beiden alten, weißen Männern dort auf der Bühne und an der gut vorbereiteten Moderation Jens Meyer-Kovacs.

Bissinger, Jahrgang 1940, hat eine glanzvolle journalistische Karriere hinter sich, die zwischen 1993 und 2002 in der Herausgabe der „Die Woche“ gipfelte. Diese Wochenzeitung setzte in ihrer Modernität publizistische Maßstäbe, hatte aber kaum Anzeigenkunden. Zuvor war Bissinger beim „Stern“, bei „Panorama“ und anderen Magazinen. Stets hatte er, der wegen einer Prügelei kein Abitur am Gymnasium machen konnte, seinen eigenen (linksliberalen) Kopf – und früh eine Verbindung zum damals noch unbekannten Gerhard Schröder (Jahrgang 1944) aufgebaut. In einer Kneipe in St. Pauli.

Gekauft vom Osten?

Der Abend im Literarischen Salon ist auch deshalb amüsant, weil man, meist in Anekdotenform erfährt, welche Grabenkämpfe sich das rechte und das linke Lager in der noch jungen Bundesrepublik geliefert haben. Warum einer wie Bissinger, den sein Verlag mit einer Millionen-Abfindung loswerden wollte, stets als vom Osten gekaufter „Kommunist“ galt, weil er die Million nicht annehmen wollte. Bissinger hat übrigens wenig von journalistischer Zurückhaltung gehalten, wollte kein bloßer Chronist, sondern Beweger sein: „Kein Merker, sondern ein Täter“.

Schröder hält sich bei vielem zurück, verteidigt noch einmal seine (wie er zugibt: durchaus korrekturwürdige) Agenda-Politik, kokettiert heftig, aber nicht zu heftig damit, einer Frau an die Macht und ins Kanzleramt verholfen zu haben („aber nicht ganz freiwillig“) und verzweifelt wie Bissinger am derzeitigen Erscheinungszustand „seiner“ SPD. Nur überlässt er hier Bissinger das Wort, der von einer „Sehnsucht nach dem Tode“ der ehrwürdigen Partei spricht. „Politik wird derzeit als rationaler Prozess furchtbar diskreditiert“, sagt Schröder – und nennt das Brexit-Chaos und das „Totalversagen des britischen Unterhauses“ als eines der aktuell bedrückendsten Ereignisse. Natürlich auch Trump, der die Kurden im Stich lasse. „Ich verstehe, dass Du dafür Applaus bekommst“, sagt da mit heiserer Stimme Freund Manfred.

Von Michael B. Berger

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