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Niedersachsen McAllister bereitet sich auf Wulff-Nachfolge vor
Nachrichten Politik Niedersachsen McAllister bereitet sich auf Wulff-Nachfolge vor
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16:17 18.06.2010
David McAllister Quelle: dpa (Archiv)
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David McAllister scheint sich ziemlich entspannt auf sein neues Amt als niedersächsischer Ministerpräsident vorzubereiten. Bei einem Spaziergang am hannoverschen Maschsee mit dem Diktiergerät in der Hand sei der erste Entwurf seiner Regierungserklärung entstanden, erzählt der 39-Jährige in gelöster Stimmung.

Nach der Nominierung Christian Wulffs als Kandidat für das Bundespräsidentenamt wurden schnell die Weichen für seine Nachfolge als Regierungschef in Niedersachsen gestellt. Am 1. Juli ist die Wahl McAllisters im Landtag geplant. Dann tritt er aus dem Schatten seine politischen Förderers Wulff heraus, wäre der jüngste Ministerpräsident Deutschlands und der mächtigste Politiker Niedersachsens.

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Als CDU-Faktionschef ist McAllister für harte Attacken gegen die Opposition bekannt. Als Redetalent präsentierte er sich bisweilen in seinen Landtagsreden. „Ich bin ein leidenschaftlicher Parlamentarier“, sagt er. Jetzt muss der Jurist aus dem beschaulichen Luftkurort Bad Bederkesa nahe Cuxhaven zeigen, dass er wie sein Vorbild Wulff die Rolle des Landesvaters ausfüllen kann, der nicht nur auf die frechen Töne setzt.

Er beherrsche die ganze Klaviatur - laut und leise, meint McAllister, der früher Klavierunterricht hatte. „Ich weiß, dass ich dem Amt angemessen auftreten kann.“ Die Opposition lässt dabei erwartungsgemäß noch Zweifel erkennen: „Er ist fließig und beschlagen, aber er muss seine Unbeherrschtheit in den Griff bekommen. Ich bin gespannt, ob er das Staatsmännische schafft“, sagt SPD-Oppositionschef Stefan Schostok.

Inhaltlich will McAllister die Politik Wulffs fortsetzen, auch an der Kabinettsmannschaft wird er nach den Umbenennungen im April nicht rütteln. McAllister steht weniger für eine wertkonservative Politik, er dürfte die Öffnung der CDU im Blick haben. Die Partei will der 39-Jährige etwa für Zuwanderer attraktiver machen - die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln ist dem Deutsch-Schotten, der zwei Pässe hat, seit langem ein Anliegen.

Zu den aktuellen Streitthemen in der schwarz-gelben Bundesregierung in Berlin - vor allem zu den umstrittenen Sparplänen - schweigt der CDU-Landeschef McAllister bis zu seiner geplanten Wahl lieber. Klar ist für ihn aber: „Der Umgang in der Koalition muss besser werden.“

Fragen zu eigenen Ambitionen bei der Bundes-CDU lässt er unbeantwortet. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass er Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für einen Posten als Vize von Parteichefin Angela Merkel den Vortritt lässt. „Ich schätze Ursula von der Leyen sehr“, sagt der vieldeutig.

Die große Bewährungsprobe wird dem Wulff-Nachfolger bei der auf Anfang August verschobenen Sparklausur der Landesregierung bevorstehen - wegen der finanziellen Schieflage drohen unpopuläre Kürzungen. „Ende Juli starte ich voll durch“, sagt er selbstbewusst. In den Augen von Grünen-Landtagsfraktionschef Stefan Wenzel werden die Probleme aber liegen bleiben. „In den letzten zweieinhalb Jahren haben weder Wulff noch McAllister wirklich Willen zum Regieren gezeigt“, kritisierte er.

Bis McAllister dann nach einer im Juli anstehenden China-Reise die Regierungsgeschäfte voll übernehmen wird, stehen noch ein paar Tage Erholung auf dem Plan. Der CDU-Politiker will mit seiner Frau Dunja und den beiden Töchtern Mia und Jamie im gemieteten Strandkorb in Cuxhaven ausspannen. „Die Familie ist das wichtigste im Leben“, sagt McAllister, der auch als Ministerpräsident sein bodenständiges Leben in der Provinz nicht aufgeben will.

dpa

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