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Niedersachsen McAllisters Geheimtripp nach Afghanistan
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19:14 17.12.2010
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Seit Wochen hat es in Masar-i-Scharif nicht mehr geregnet. Feiner weißer Staub liegt in der Luft. David McAllister (CDU) steht mit Helm und Splitterschutzweste in einem gepanzerten Wolf und verlässt mit einer Patrouille das Bundeswehrcamp am Fuße des Marmalgebirges. Der CDU-Politiker ist nervös. Kurz zuvor hat er beim Briefing über die geplante Tour zur knapp 13 Kilometer entfernten Stadt Ala Chapa zum ersten Mal selbst erfahren, mit welcher Bedrohungssituation die rund 2800 Soldaten, davon viele aus Niedersachsen, jeden Tag leben müssen. Wie gefährlich der Dienst in Afghanistans Norden ist, hat Niedersachsen zuletzt am 7. Oktober erfahren, als der Fallschirmjäger Florian Pauli bei einem Selbstmordanschlag der Taliban ums Leben kam.

Jetzt sitzt McAllister in einem Wolf, im Wagen hinter ihm - ein gepanzerter Dingo - sitzt Junge Union-Chef Philipp Missfelder. Auch er wollte bei der nicht ungefährlichen Tour durch die sogenannte Bluebox dabei sein. Die Bluebox beschreibt einen etwa 20 Kilometer großen Radius rund um das Camp und gilt als „weitgehend sicher“. Eben so sicher, wie es in der Krisenregion sein kann. Denn auch hier müssen die Soldaten immer mit Anschlägen rechnen.

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McAllister und Missfelder sind an diesem Montag aber nicht alleine nach Afghanistan gereist. Sie begleiten genau wie McAllisters Amtskollege Wolfgang Böhmer (CDU) Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dessen letztem Afghanistanbesuch im Jahr 2010. „Es ist mir wichtig mit den Soldaten offen in Kontakt zu kommen“, sagt Guttenberg, der erstmals auch von seiner Frau Stephanie begleitet wird.

Der CSU-Politiker will mit seinen regelmäßigen Besuchen nicht nur seinen direkten Draht zu den Soldaten halten, „hören, wo es knirscht“, sondern den Männern und Frauen im Land auch ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit geben. „Gerade in der Weihnachtszeit ist es wichtig, den Soldaten das Gefühl zu geben, dass sie in Deutschland nicht vergessen sind“, sagt McAllister. Für den ehemaligen Soldaten ist die Bundeswehr seit jeher eine Herzensangelegenheit.

Wochenlang hatte er sich auf seinen Geheimtripp nach Kundus und Masar-i-Scharif gefreut - durfte wegen der besonderen Geheimhaltung aber mit so gut wie niemandem über die Reise sprechen. „Einmal im Leben muss man hier gewesen sein“, sagt McAllister, der an diesem Montag zum ersten Mal in der Krisenregion ist. „Es ist mir ganz wichtig, unseren Jungs Rückendeckung zu geben und ihnen meine Verbundenheit zu übermitteln.“

McAllisters und Böhmers Besuch kommt bei den Soldaten gut an. Sie freuen sich, dass zwei Ministerpräsidenten zu ihnen kommen, sich die Zeit nehmen, auch mal bei Problemen zuzuhören. „Hier ist überall Niedersachsen“, scherzt der 39-Jährige, für den der Besuch in Afghanistan zweifelsohne einer der Höhepunkte des Jahres ist. Auch Guttenberg findet nur lobende Worte für seine Reisebegleiter aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Ein größeres Signal, dass der Einsatz in der Heimat geschätzt wird, als ein Besuch des Ministerpräsidenten gibt es kaum.“

„Als niedersächsischer Ministerpräsident habe ich mich besonders über den Kontakt mit den Kameraden aus Seedorf gefreut“, hatte McAllister am Morgen den Soldaten in Kundus gesagt. „Niedersachsen steht unbehaltlos hinter ihnen. Wir sind stolz auf ihre Arbeit und kommen sie bitte wohlbehütet wieder nach Hause.“

dpa