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Niedersachsen MHH wegen Behandlung von mutmaßlichem Mafiaboss unter Druck: Drohen jetzt personelle Konsequenzen?
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Medizinische Hochschule Hannover: Behandlung von mutmaßlichem Mafiaboss bringt MHH in Not

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19:24 17.02.2020
Die Polizei kontrollierte zeitweise sogar alle Zufahrten und Wege an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die Behandlung eines mutmaßlichen Mafiabosses hat einen Großeinsatz ausgelöst. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Die Medizinische Hochschule Hannover gerät wegen der Behandlung eines mutmaßlichen Mafiabosses aus Montenegro zunehmend unter Druck. Am vergangenen Donnerstag war bekannt geworden, dass sich ein 35-jähriger Mann, dessen Name mit Igor K. angegeben wird, in Hannover hatte einfliegen lassen, um seine schweren Schussverletzungen in der MHH behandeln zu lassen. Er wird rundum von der Polizei bewacht, die MHH wird aufwendig von Polizisten mit Maschinenpistolen gesichert.

MHH-Vizepräsident Tecklenburg in der Kritik

Die rot-schwarze Regierungskoalition in Niedersachsen hat am Montag heftige Kritik am Verhalten der MHH geäußert. Die Klinik habe mit der Aufnahme von Igor K. Beschäftigte und Patienten in große Gefahr gebracht und dem Land schweren Schaden zugefügt, hieß es seitens SPD und CDU. In der Kritik steht nach HAZ-Informationen vor allem MHH-Vizepräsident Andreas Tecklenburg, der für die Krankenversorgung verantwortlich ist. In der Koalition schließt man personelle Konsequenzen nicht aus. Die MHH ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen.

Nach Angaben von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) trägt das Land die Kosten für den Polizeischutz des Patienten, der in Deutschland nicht wegen Straftaten gesucht werde. Der Anwalt von Igor K. erklärte unterdessen, dass sein Mandant kein Mafiaboss sei. Es handele sich um eine Verwechselung. Die Polizeidirektion Hannover will sich nicht dazu äußern, ob der MHH-Patient der Organisierten Kriminalität zuzurechnen ist.

Toepffer: MHH hat Staat lächerlich gemacht

CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer ging am Montag hart mit der Leitung der landeseigenen Uni-Klinik ins Gericht. „Igor K. hätte niemals in der MHH behandelt werden dürfen. Nicht nur deshalb, weil seine Verletzungen auch im Justizkrankenhaus Lingen oder durch Experten vor Ort in Montenegro hätten behandelt werden können“, sagte Toepffer. Die Klinik habe die zuständigen Stellen des Landes viel zu spät und nur unzureichend informiert. „Die Klinikleitung hat der MHH, vor allem aber dem Land, einen schweren Imageschaden zugefügt und den Staat der Lächerlichkeit preisgegeben.“

Es sei erklärungsbedürftig, warum ein Landesbetrieb mit Patienten Geld verdiene und der Steuerzahler für die Sicherheit aufkommen müsse, kritisierte die SPD-Landtagsabgeordnete Thela Wernstedt. „Nicht akzeptabel ist die Entscheidung der MHH, diesen Patienten selektiv aus dem Ausland kommen zu lassen, weil damit die Sicherheit der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährdet wird.“ Wernstedt forderte Aufklärung von der Klinik. „Dass ein Großaufgebot der Polizei nun den Patienten schützt, hohe Sicherheitskosten aufkommen und ein erhöhter Sicherheitsbedarf für das Personal der MHH entstanden ist, können wir nicht so stehen lassen.“

AfD: Gangster-Genesungseinrichtung

Die oppositionelle FDP forderte die Landesregierung auf, die entstandenen Kosten von den Verursachern zurückzuholen. „Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit solch einen Einsatz zahlen muss“, erklärte der FDP-Innenpolitiker Marco Genthe. Dabei müsse allerdings sichergestellt sein, dass es zu keiner Geldwäsche komme und dass keine Gelder aus illegalen Geschäften flössen. Die Situation sei für Patienten, Mitarbeiter und die Polizei unzumutbar. Die AfD erklärte, die MHH werde zur „Gangster-Genesungseinrichtung“. Man sei gespannt, welcher Schwerkriminelle sich dort als nächstes zusammenflicken und auf Staatskosten beschützen lasse. „Grenzkontrollen? Zusammenarbeit mit montenegrinischen Behörden? Fehlanzeige“, kritisierte der AfD-Abgeordnete Jens Ahrends.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in Niedersachsen erhebt ebenfalls Vorwürfe gegen die MHH. „Die Uniklinik hätte die Sicherheitsbehörden viel früher mit ins Boot nehmen müssen. Vielleicht hätte es andere Möglichkeiten gegeben, den Patienten unterzubringen und zu beschützen“, sagte Patrick Seegers, der Landeschef der Gewerkschaft. Er sprach sich dafür aus, aus dem Vorgang Lehren zu ziehen. „Es wird bestimmt nicht der letzte schwierige Patient sein, der in Hannover behandelt werden muss“, sagte Seegers.

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