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Niedersachsen Mehrere Minister waren in der NSDAP
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19:12 10.04.2012
Von Klaus Wallbaum
Der frühere CDU-Bundesschatzmeister Walther Leisler Kiep. Quelle: dpa
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Hannover

Mehrere niedersächsische Minister, die nach dem Zweiten Weltkrieg am Aufbau des Landes aktiv mitgewirkt haben, waren vor 1945 in der NSDAP gewesen. Das ergibt sich aus einer Antwort von Staatskanzleichefin Christine Hawighorst (CDU) auf eine Landtagsanfrage der Linken-Abgeordneten Pia Zimmermann.

Hermann Ahrens vom Bund der Heimatvertriebenen, der bis 1963 Finanzminister war, gehörte der NSDAP schon seit 1931 an, er war zudem Sturmführer der SA. Der CDU-Mann Gustav Bosselmann, bis 1970 Innen- und 1976/77 Justizminister, war NSDAP-Mitglied seit 1937, er trug das Goldene Ehrenabzeichen der Hitler-Jugend. In den Archiven wird eine frühere NSDAP-Mitgliedschaft außerdem vermerkt für den langjährigen Kultusminister Richard Langeheine (DP und CDU), den Aufbauminister Konrad Mälzig (FDP), die Vertriebenenminister Curt Miehe (SPD) und Erich Schellhaus (BHE), die Justizminister Hans Puvogel (CDU) und Hans Schäfer (SPD) und den Kultusminister Richard Tantzen (FDP). Puvogel musste 1978 nach Enthüllungen über seine zu NS-Zeiten geschriebene Doktorarbeit zurücktreten.

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Wirtschaftsminister Otto Fricke (CDU), der bis 1950 im Amt war, diente zeitweilig als förderndes Mitglied der SS. Der ehemalige CDU-Landesvorsitzende und langjährige Ehrenvorsitzende der Partei, Wilfried Hasselmann, trat 1942 als 18-Jähriger der NSDAP bei. Ebenfalls mit 18 wurde der frühere Finanzminister und spätere CDU-Bundesschatzmeister Walther Leisler Kiep NSDAP-Mitglied. Der ehemalige Ministerpräsident Georg Diederichs (SPD), der von 1961 bis 1970 im Amt war, zählte wie viele andere zur „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“, einer NS-Wohlfahrtsorganisation, die nach der Auflösung der Arbeiterwohlfahrt an Bedeutung gewonnen hatte.

Die Landesregierung stützt sich in ihrer Antwort auf Recherchen des Wissenschaftlers Stephan A. Glienke, der im Auftrag des Landtagspräsidiums die NS-Vergangenheit der Landtagsabgeordneten in Niedersachsen erforscht hatte. Mit diesem Projekt gilt Niedersachsen bundesweit als vorbildlich.