Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Menschen in Niedersachsen sind optimistischer als früher
Nachrichten Politik Niedersachsen Menschen in Niedersachsen sind optimistischer als früher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:01 21.12.2010
Von Marina Kormbaki
Nidersachsen, das Land der Zuversichtlichen. Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
Anzeige

Die Zeiten des Grübelns und Jammerns sind vorbei – die Menschen in Niedersachsen blicken mit reichlich Zuversicht in die Zukunft, allem voran in ihre ganz persönliche: 76 Prozent aller Niedersachsen glauben fest daran, dass es im nächsten Jahr um ihre Familie, Partnerschaft und um ihre Kinder gut stehen wird. Von der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes sind 61 Prozent überzeugt. Selbst in Bezug auf ihre finanzielle Lage im kommenden Jahr geben sich 57 Prozent der Menschen im Lande zuversichtlich.

Die Niedersachsen also – ein Volk von Optimisten? Diesen Eindruck erweckt die jüngste Zuversichtsstudie des Versicherers Allianz – jedenfalls dann, wenn man die Stimmung in Niedersachsen im Jahr 2010 mit der aus dem Jahr 2009 vergleicht. Familienglück, Arbeitsplatzsicherheit, finanzielle Lage – noch in der Zuversichtsstudie aus dem Vorjahr fielen die Einschätzungen hierzu deutlich trüber aus. Die Stimmung im Lande wurde in den vergangenen zwölf Monaten besser – da ist aber noch Spielraum, wie der bundesweite Durchschnitt zeigt: Mit ihrem Optimismus rangieren die Niedersachsen im oberen Mittelfeld. Durchweg hoffnungsvoller für 2011 sind unter den bundesweit 1506 Befragten die Menschen in Hessen und Baden-Württemberg.

Anzeige

„An den jüngsten Zahlen überrascht, dass sich die Zuversicht der Menschen – anders als in den Vorjahren – nicht auf ihr Privatleben beschränkt“, sagt Prof. Frank Brettschneider. So fällt auch die Einschätzung über die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland positiver aus als im Vorjahr: 43 Prozent der Niedersachsen glauben, dass es wirtschaftlich bergauf gehen wird (2009: 22 Prozent), 32 Prozent halten die Arbeitsplätze für sicher (2009: zwölf Prozent). Für den Sozialforscher von der Universität Hohenheim, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt worden ist, liegt die Erklärung auf der Hand: „Die Zuversicht der Niedersachsen gründet sich vor allem auf den deutlich verbesserten wirtschaftlichen Erwartungen. Aus Sicht der Befragten ist die Wirtschaftskrise überwunden“, sagt Brettschneider. „Der Erfolg des Automobilkonzerns VW strahlt in nahezu alle wirtschaftlichen Bereiche im Lande aus – und der wirtschaftliche Optimismus schlägt ins Private durch.“

Das heiße nun aber nicht, betont der Sozialforscher, dass die Niedersachsen das Leben durch die rosarote Brille sähen. Zuversicht, das fühlt sich für jeden anders an. „Wir haben ermittelt, dass es vor allem Selbstvertrauen ist, aus dem sich das Gefühl von Zuversicht speist“, sagt Brettschneider. Wenn also 83 Prozent der Befragten angeben, sie seien zuversichtlich in Bezug auf ihr Zuhause, also auf ihre Wohnsituation und das Miteinander mit Freunden und Verwandten, dann hieße das nicht, alle subjektiven Wünsche gingen in Erfüllung. „Vielmehr sind die Menschen überzeugt, dass sie ihr Leben zum Besseren wenden können, auch wenn mal etwas schlecht läuft“, sagt Brettschneider. Es gehe um den Glauben an Gestaltungsmacht. Und der sei vom Bildungsgrad abhängig. „Wer schon in der Schule ständig die Erfahrung des Scheiterns macht, der glaubt nicht daran, die Dinge ändern zu können“, sagt Brettschneider. Und noch etwas ist wichtig: Geld. Der Forscher sagt: „Zuversicht geht durchs Portemonnaie.“ Geld als Mittel zur Problemlösung.

Die Ergebnisse der Studie stimmen wiederum Brettschneider zuversichtlich: „Die Konjunktur beeinflusst die Stimmung der Menschen – und mit ihrer Stimmung beeinflussen sie wiederum die Konjunktur.“