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Niedersachsen Merkel mitten im Gefecht
Nachrichten Politik Niedersachsen Merkel mitten im Gefecht
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21:42 10.10.2012
Von Klaus von der Brelie
Foto: Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte am Mittwoch das Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Munster.
Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte am Mittwoch das Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Munster. Quelle: dpa
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Munster

So etwas erlebt auch eine Bundeskanzlerin nicht jeden Tag: Ein Ministerpräsident und ein Generalleutnant wetteifern um die Rolle des Gastgebers: Nichts soll schief gehen, als Angela Merkel das Deutsche Heer besucht. David McAllister weicht nicht von ihrer Seite und trägt ihr sogar den grünen Schirm (Aufschrift: „Deutsches Heer“), als es etwas von oben tröpfelt. Bruno Kasdorf, der Inspekteur des Heeres, gibt der Kanzlerin zu erkennen, wie sehr er sich freut, dass sie sich Zeit genommen hat, um in Munster die Ausbildung junger Offiziere und Feldwebel zu beobachten.

Gut aufgelegt plaudert Merkel zunächst mit drei Soldaten der Heeresaufklärungstruppe, die stolz ihr geländegängiges Auto präsentieren, einen „Fennek“, der sich auch in Afghanistan bei der Feindbeobachtung bewährt. Ob sie aufgeregt sind wegen des Besuches? „Nein“, sagt Stabsfeldwebel Thomas Metschulat, „so etwas erleben wir öfter. Ich hab auch schon einmal Helmut Kohl die Hand geschüttelt.“

Während die Soldaten auf den Hubschrauber mit der Kanzlerin warten, steht McAllister den gut 100 Journalisten Rede und Antwort. Er erinnert daran, dass Niedersachsen bei der Bundeswehrreform besser abschneidet als die übrigen Bundesländer. „Das liegt auch daran, dass wir ein enges Verhältnis zur Kanzlerin pflegen, dass wir Bundeswehrland sind und bleiben wollen, dass die Bundeswehr hier von der Bevölkerung akzeptiert und anerkannt ist.“ Ob er der Kanzlerin auch von seiner eigenen Bundeswehrzeit berichten werde, wird er gefragt. „Ach, ich war doch nur Obergefreiter, und meine Karriere als Soldat endete bereits 1991 in Altenwalde bei Cuxhaven.“

Hätte die Truppe damals inszeniert, was sie gestern auf der Schießbahn demonstrierte, wären vermutlich einige Offiziere wegen deutlicher Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften bestraft worden. „Aber die Lage hat sich geändert“, sagt ein Oberstleutnant, „wir müssen die Soldaten auf Gefechte in urbanen Gebieten vorbereiten.“ Also findet die Präsentation für die Kanzlerin im „Barbara-Dorf“ statt, einer Siedlung, die aus Holzhütten und Containern besteht. Die Truppe soll zwei gekidnappte Verbündete aus einem Haus befreien. Schützen- und Kampfpanzer umzingeln das Dorf und schießen scharf in alle Richtungen. Die Kanzlerin und ihre Begleiter erleben das Gefecht aus nächster Nähe auf einer Tribüne. Schließlich können vier Soldaten unbehelligt zwei Personen befreien. Es erklingt das Kommando „Übungsende“ - und Merkel wendet sich den TV-Kameras zu: Sie habe „eine kleine Praxiserfahrung“ erhalten und werde auch künftig darauf achten, dass die deutschen Soldaten eine „hervorragende Ausbildung“ bekommen. „Das ist die Grundlage dafür, dass Millionen Bürgerinnen und Bürger in Sicherheit leben können.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert.