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Niedersachsen Ministerin Özkan will Meldepflicht für Krebserkrankungen
Nachrichten Politik Niedersachsen Ministerin Özkan will Meldepflicht für Krebserkrankungen
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17:50 09.12.2010
Niedersachsen Gesundheitsministerin Aygül Özkan während der Landtagssitzung im niedersächsischen Landtag in Hannover. Quelle: dpa
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Nach der erhöhten Krebsrate in der Umgebung des maroden Atommülllagers Asse startet Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) jetzt eine genauere Erfassung von Krebsfällen in ganz Niedersachsen. Außerdem sollen Ärzte verpflichtet werden, Krebserkrankungen zu melden. Bei der Opposition stieß die Ministerin auf positive Reaktionen.

Özkan will die Krebserkrankungen nicht mehr nur landkreisweit auswerten, sondern flächendeckend auf der Ebene der Gemeinden analysieren lassen. Das kündigte sie am Donnerstag in Hannover in der Landtags-Debatte über die Krebsrate in der Samtgemeinde Asse an. Daneben sollen Krebsfälle in jenen Gemeinden ausgewertet werden, die in der Nähe kerntechnischer Anlagen liegen - also bei Atomkraftwerken und dem Atommüll-Zwischenlager Gorleben.

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Zudem will die Ministerin eine Meldepflicht für Krebserkrankungen einführen. Özkan sagte im Landtag, sie wolle nun die Ärzte in Niedersachsen dafür gewinnen, ein Gesetzentwurf sei in Arbeit. Die meisten Bundesländer haben bereits eine Meldepflicht bei Krebsdiagnosen. Damit sollen Daten über Betroffene etwa zum Beruf und zum Wohnort schneller zur Verfügung stehen. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel befürwortete den Vorstoß der Ministerin und sagte: „Das ist ein Schritt hin zu einer weiteren Aufklärung.“

Angesichts der erhöhten Krebsrate in der Umgebung der Asse forderte Özkan zugleich, es dürfe nicht voreilig über Ursachen spekuliert werden. „Das ist unverantwortlich.“ Denn bislang gebe es keine Erkenntnisse, wodurch die Erkrankungen ausgelöst worden seien. Özkan ging auf eine gewisse Distanz zu Aussagen aus dem Bundesumweltministerium, das einen Zusammenhang zwischen der Atommülllagerung und den Krebsfällen ausschließt.

In der kommenden Woche wird ein Bericht des Krebsregisters Niedersachsen erwartet. Neben den Krebsfällen in der Samtgemeinde Asse sollen auch Daten zu den angrenzenden Gemeinden im Landkreis Wolfenbüttel zusammenstellt werden. Außerdem will eine eingerichtete Arbeitsgruppe die Ursachen der erhöhten Krebsrate an der Asse aufklären und am 16. Dezember einen ersten Zwischenstand abgeben.

dpa

Karl Doeleke 08.12.2010
Klaus Wallbaum 08.12.2010