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Niedersachsen Kritik an Polizei nach Straftäter-Flucht
Nachrichten Politik Niedersachsen

Ministerium kritisiert Polizei nach Flucht eines Straftäters

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19:40 24.09.2019
Von Heiko Randermann
Niedersachsens Landespolizeipräsident Uwe Binias kritisierte in Hannover das Vorgehen der ortsansässigen Polizei bei der Verfolgung des entflohenen Straftäters.
Niedersachsens Landespolizeipräsident Uwe Binias kritisierte in Hannover das Vorgehen der ortsansässigen Polizei bei der Verfolgung des entflohenen Straftäters. Quelle: Holger Hollemann
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Die zuständige Polizeiinspektion Delmenhorst habe eine andere Auffassung gehabt und den Flüchtigen auch als weniger gefährlich eingeschätzt. Er wolle sich nicht anmaßen, aus dem Ministerium heraus die Beurteilung der Kollegen vor Ort zu ersetzen, sagte Binias. Aber „jetzt müssen wir uns zusammensetzen und genau über diese Punkte diskutieren“. Ziel sei es, Informationen in ähnlichen Fällen künftig über eine Zentralstelle zu sammeln und zu verarbeiten.

Von dem 21-jährigen S. fehlt weiter jede Spur. Er war am 14. September aus der Klinik geflohen, aber erst fünf Wochen später zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben worden. Bis dahin war nur die örtliche Inspektion in die Fahndung involviert. Gleichzeitig verfolgte die Polizei in anderen Landkreisen einen Mann, der mit einem Schraubendreher bewaffnet mindestens zwölf Überfälle auf Spielotheken und Geschäfte verübte – ohne zu wissen, dass es sich dabei um den entflohenen S. handelte. „Er ist als gefährlicher Straftäter einzuschätzen“, bekräftigte Binias.

„Die Kommunikation zwischen den einzelnen beteiligten Akteuren hat offensichtlich überhaupt nicht funktioniert“, kritisierte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler. Der Versuch des Innenministeriums, die Verantwortung dafür auf die unteren Polizeidienststellen abzuwälzen, sei „unanständig“. „Das Innenministerium hat bei den Fahndungsmaßnahmen die organisatorische Verantwortung und hat dabei kläglich versagt“, sagte Thümler.

Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) kündigte an, den Mitarbeiterstab im Maßregelvollzug im kommenden Jahr um 50 Stellen erhöhen zu wollen, das entspricht einem Plus von fünf Prozent. Der Maßregelvollzug stehe vor großen Herausforderungen. „Wir bekommen immer häufiger Menschen mit schwersten Straftaten zugewiesen“, so Rundt.

Zweiter flüchtiger Straftäter meldet sich zurück

Freiwillige Rückkehr: Der am Sonnabend aus dem Maßregelvollzug in Bad Rehburg (Kreis Nienburg) geflohene Straftäter ist wieder da. Der 29-Jährige sei in der Nacht zu Freitag aus freien Stücken in die Klinik zurückgekehrt, gab Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) gestern bekannt. Der Mann habe aber noch nicht vernommen werden können, weil er sturzbetrunken war – laut Ministerin hatte er einen Blutalkoholwert von mehr als drei Promille.

Wegen seiner schweren Alkoholerkrankung war der 29-Jährige nicht wegen räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe verurteilt, sondern in den Maßregelvollzug eingewiesen worden. Hinweise, dass er während seiner fünftägigen Flucht erneut Straftaten begangen haben könnte, gibt es nicht. 

ran

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