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Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff wird 50
Nachrichten Politik Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff wird 50
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12:32 18.06.2009
Christian Wulff.
Christian Wulff. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Es wird eine kleine Party mit engen Freunden und der Familie werden. Bescheidenheit war für Christian Wulff (CDU) schon immer eine wichtige Tugend. Dass Niedersachsens Ministerpräsident am Freitag seinen 50. Geburtstag mit keinem rauschenden Fest begeht, passt aber auch zur aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise. Für ausgelassenes Feiern sei er momentan viel zu sehr beschäftigt, sagt Wulff: Mit den „vielen Firmen“ im Land, die durch die globale Rezession in Bedrängnis geraten seien.

Christian Wulff denkt auch an seinem Ehrentag erst an Niedersachsen und dann erst an sich selbst. Er präsentiert sich als der vorbildliche Landesvater, der sich einer ungebrochenen Beliebtheit bei seinen Bürgern erfreut. Dabei könnte sich der in Osnabrück geborene Regierungschef durchaus mal für ein paar Stunden zurücklehnen. Mit Continental oder Karmann gibt es zwar gewiss einige Großunternehmen in Niedersachsen, um die es schon einmal besser stand. Aber im Vergleich zu anderen Bundesländern steht das von Wulff geführte Bundesland doch recht gut da.

Man hat hier keine Landesbank wie die HSH Nordbank oder BayernLB - die sich auf dem Finanzmarkt verzockt haben. Die NordLB in Hannover steht offenbar solide da. Wulffs Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) nannte sie „besenrein“. Und Opelaner gibt es zwischen Nordsee und Harz auch nicht. Niedersachsen ist Volkswagen-Land. Europas größter Autobauer - Wulff spricht von einem „Weltkonzern“ - verkauft trotz Absatzkrise noch ordentlich Autos. Baustelle ist vielmehr das Ringen mit Porsche um einen zukünftig unter einem gemeinsamen Dach geführten Konzern. Wulff versucht hier eisern die Interessen von VW zu verteidigen und macht sich deshalb Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) nicht gerade zu Freunden.

Sein Bundesland nennt Wulff ein „Aufsteigerland“, das in den vergangenen Jahren tüchtig aufgeholt habe im „Konzert der anderen Bundesländer“. Ob im Landtag oder gegenüber Journalisten - regelmäßig wiederholt er, wie gut Niedersachsen mittlerweile in den Bereichen Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und Haushaltskonsolidierung dastehe.

Wulff und seine Koalition sind schwer angreifbar. Oppositionsführer Wolfgang Jüttner von der SPD ist keine ernsthafte Gefahr. Jüttner erregt eher spürbares Mitleid bei vielen Abgeordneten, wenn er im Landtag mal wieder versucht, Wulff die Fähigkeit zum Regierungshandeln abzusprechen. Ähnlich ergeht es oft den Grünen und der Linkspartei. Niemals saß Wulff so fest auf der Regierungsbank wie im Sommer 2009.

Auch privat hat er offenbar sein Glück gefunden: Mit seiner zweiten Ehefrau Bettina und dem gemeinsamen Sohn Linus Florian. „Ich glaube, ich kann die Bälle des Lebens mittlerweile ganz gut balancieren“, sagt Wulff. Nur selten kommt der Medienprofi beim Jonglieren aus dem Takt. Etwa als er vor ein paar Monaten in einer TV-Talkshow die Kritik an Managern mit einer „Pogromstimmung“ verglich und beim Zentralrat der Juden für Empörung sorgte.

Abgesehen von solchen Aussetzern hat Wulffs Präsenz auf der bundesdeutschen Bühne aber deutlich nachgelassen. Von der Ankündigung vor einem Jahr, sich stärker in die Bundespolitik einzumischen, ist nicht allzu viel zu spüren. Vor ein paar Jahren war Wulff einmal Deutschlands beliebtester Politiker. Heute rangiert er in bundesweiten Umfragen zur Bedeutung der Politiker nur noch im Mittelfeld. Offenbar nehmen ihm die Menschen langsam ab, was er im vergangenen Jahr dem Magazin „Stern“ gesagt hatte: Dass er kein „Alphatier“ sei und dass ein guter Landespolitiker noch lange kein guter Bundeskanzler sei.

Wulff will offenbar wirklich keine neue Herausforderung mehr. Er werde in Hannover bleiben und auch seinen nächsten runden Geburtstag - den 60. - als niedersächsischer Ministerpräsident feiern, betont er. Und zu diesem Jubiläum werde es auch mal wieder eine ausgelassenere Party geben.

ddp