Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Ministerpräsidenten-Buch vorgestellt
Nachrichten Politik Niedersachsen Ministerpräsidenten-Buch vorgestellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:24 10.07.2012
Von Michael B. Berger
Nicht im Buch, dafür im Bild: Ministerpräsident David McAllister (l.) mit Politologe Franz Walter und Ursula von der Leyen. Quelle: Julian Stratenschulte
Anzeige
Hannover

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein leibhaftiger Ministerpräsident unangekündigt auf einer Buchvorstellung aufkreuzt. Aber wenn ein Buch über Niedersachsens Ministerpräsidenten erscheint, dann hat David McAllister (CDU) im Terminkalender offenbar ordentlich Platz. „Hallo Röschen“, begrüßte er die überrascht wirkende Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, als die gestern das Werk des Göttinger Parteienforschers Franz Walter vorstellen wollte. Und stellte sich prompt vor die Fotografen, die von der Leyen und den Buchherausgeber ablichten wollten. So ist McAllister zwar nicht im Buch vertreten – die Autoren hatten den Frischling extra außen vor gelassen – aber wenigstens auf dem Bild, das die Agenturen verschickten. Dann setzte er sich stillvergnügt auf einen Besucherplatz – und hörte zu, was nach Worten des Politikwissenschaftlers Walter einen guten Ministerpräsidenten auszeichne.

Jede Generation bekomme ihren Typ, dozierte Walter: „Der muss einfach in die Zeit passen.“ Nach Walters Worten wird die allmähliche Vergreisung der Gesellschaft auch Folgen für den Typ des künftigen Ministerpräsidenten haben. „Die mehr als 55-jährigen Frauen werden letztlich die Wahl in Niedersachsen entscheiden. Da wird derjenige gewählt, der den Habitus des Kümmerers darstellt.“ Der Typ des umtriebigen Managers, wie ihn in Baden-Württemberg einst Lothar Späth verkörperte, wäre heute nicht mehr gefragt, meinte Walter.

McAllister ist Niedersachsens 10. Ministerpräsident, wie sein 2003 abgewählter Vorvorgänger Sigmar Gabriel (SPD) hat er das Amt in Erbfolge angetreten, die Wahl steht ihm am 20. Januar 2013 noch bevor. Dass McAllister sich in bundespolitischen Fragen zurückhält und den bodenständigen Schützenkönig aus Bederkesa gibt, entspringt nach Walters Worten auch einer gewissen Logik: McAllister folgt auf Christian Wulff, der rasch auf die Bühne der Bundespolitik wechselte.

Dass nach Gerhard Schröder der SPD-Parteisoldat Gerhard Glogowski kam, hat nach Walters Worten auch eine gewisse Logik. Denn nach dem Abgang der Charismatiker gebe es einen „Erschöpfungszustand“ in der Öffentlichkeit, die nach authentisch wirkenden Personen verlange. Und noch einen Hinweis gab der Forscher dem Regierungschef. „Jeder erfolgreiche Ministerpräsident braucht unbedingt einen Komplementär.“ Schröder hatte seinen Frank-Walter Steinmeier, Ernst Albrecht, der Denker und Stratege, hatte seinen Wilfried Hasselmann. Die Charakterisierung „Ernst Albrecht fürs Schaufenster und Wilfried Hasselmann für die Theke“ habe dieses kongeniale Verhältnis schon getroffen, meinte Zeitzeugin Ursula von der Leyen. Sie übrigens hat nie daran gedacht, vielleicht auch einmal Ministerpräsidentin zu werden: „Ich bleibe auf der Bundesebene.“

Niedersachsen Verteidigungsminister auf Sommerreise - De Maizière kommt nach Niedersachsen
09.07.2012
Klaus Wallbaum 08.07.2012
Michael B. Berger 08.07.2012